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Samstag, 22. Februar 2014

Top des Monats: Wasser für Elefanten

Kaum zu fassen, aber das Lesehoch hält an. Auch im Februar habe ich schon ein halbes Dutzend Bücher gelesen. Wenn ich die jetzt auch noch zu allen eine Rezension schaffen würde - äh, naja, wir wollen den Blogger-Burnout mal nicht herbeibeschwören. Unglaublich bezaubernd ist mein Liebling im Februar: Water for Elephants.

Top des Monats: Water for Elephants von Sara Gruen (2006)

"Ladies-s-s-s-s-s-s-s and gentleman-n-n-n-n-n! Twen-n-n-n-n-n-ty-five minutes till the big show! Twen-n-n-n-n-n-ty-five minutes! More than enough time to avail yourselves of the amazing, the unbelievable, the ma-a-a-a-a-a-rvelous wonders we have gathered from all four courners of the earth and still find a good place in the big top!"

Jacob Jankowski ist 90. Oder 93. In seinem Alter kann man das nicht mehr so genau sagen. Jede Woche kommt ihn seine Familie im Altersheim besuchen - allerdings hat er fünf Kinder und jede Woche kommt ein anderes mit seiner Familie. Wenn er es endlich geschafft hat, sich zu erinnern, welches seiner Enkelkinder zu welchem Kind gehört, kommt schon wieder ein anderer Teil der Familie. Das Vergessen macht ihm Angst. Und es ärgert ihn, dass die Pflegerinnen im Altenheim ihn wie einen greisen Idioten behandeln - obwohl er doch gerade erst Mitte Zwanzig war und Tierarzt im Zirkus der "Benzini Brothers Most spectacular Show on Earth". Niemand kennt seine Vergangenheit, bis eines Tages ein Zirkus in die Stadt kommt und ein anderer Bewohner des Altenheims erzählt, er hätte damals das Wasser für die Elefanten getragen. Es kommt zu einem Eklat zwischen den beiden alten Männern und die Geschichte kommt ans Licht.

"My father used to take us down to the tracks to watch them unload. Gosh, that was something to see. And then the parade! And the smell of peanuts roasting -"
"And cracker Jack!"
"And candy apples, and Icecream, and lemonade!"
"And the sawdust! It would get into your nose!"
"I used to carry water for the elephants", says McGuinty.
I drop my fork and look up. He is positively dripping with self-satisfaction, just waiting for the girls to fawn over him.
"You did not", I say.
There is a beat of silence. (...)
"Listen pal", I say. "For decades I`ve heard old coots like you talk about carrying water for elephants and I`m telling you now, it never happened. (...) Do you have any idea how much an elephant drinks?"


The Big Top - Ein Ort zum Träumen.

Als vor einigen Jahren die Verfilmung dieses Buches herauskam, entschloss ich mich, mir das - trotz der zauberhaften Reese Witherspoon - nicht anzutun. Nicht nur, weil die Hauptrolle von Robert "Ich habe nur einen Gesichtsausdruck" Pattinson gespielt wird - sondern weil mir damals gesagt wurde, dass die Grausamkeit den Tieren gegenüber schwer zu ertragen sei. Das ist sie tatsächlich auch im Buch, denn das Leben im Zirkus ist hart. Tiere, die ihren Zweck nicht mehr erfüllen, werden ersetzt. Menschen übrigens auch. Es ist kein Platz für Zartbesaitete, denn das Geld ist immer knapp, das Leben immer am Limit - und die Show muss immer weitergehen. Gleichzeitig ist das Big Top, das große Zirkuszelt der 30er Jahre, ein magischer Ort. Ein Ort ungekannter Kuriositäten aus aller Herren Länder, unglaublicher Tiere, schillernder Kostüme, grandioser Artisten und dem alles durchziehenden Popcornduft. Ein Ort zum Träumen.

Hinter der Kulisse hören die Träume auf, das Leben hier ist zu gefährlich für Träume, zu gefährlich für Gefühle und es ist schwer herauszufinden, wem man vertrauen kann. Jacob Jankowski, der kurz vor seinem Abschluss an Tiermedizin an einer der prestigeträchstigsten Universitäten Amerikas steht, wird aus seinem heiteren Leben gerissen, als seine Eltern sterben und er die Studiengebühren nicht mehr bezahlen kann. Das Land befindet sich mitten in der Großen Depression und so ist er froh, Arbeit in einem Zirkus zu finden. Doch er begeht einen schweren Fehler - er verliebt sich in die Frau des gefährlichsten Mannes der ganzen Show.

Die Geschichte ist so intensiv, dass man die Sägespäne förmlich riechen kann. 

Das Buch ist ein Wirbel aus Formen, Farben und Gefühlen. Der Leser ist mitten in der Geschichte, leidet mit, erlebt atemlos eine großartige Show. Und wird zwischendurch unvermittelt immer wieder in den grauen Alltag im Altenheim geschmissen, dessen Trostlosigkeit die schillernde Zirkuswelt nur umso mehr hervorhebt.

Ich habe mich sofort und unwiderruflich in diese Welt verliebt. Gleichzeitig hat mich die Parallelgeschichte eines jungen Mannes, der sich plötzlich in einem alten, verlebten Körper widerfindet, zu Tränen gerührt und immer wieder zum Nachdenken gebracht. Denn es ist ja keine Seltenheit, dass alte Menschen behandelt werden wie Kinder. Plötzlich werden Entscheidungen für sie getroffen, die ihnen jegliche Handlungsfähigkeit absprechen. Die Geschichten, die sie zu erzählen haben, vergessen wir dabei. Am Eindrucksvollsten fand ich die Szene, in der Jacob von einer der netten Pflegerinnen eine Schüssel Obstsalat zugesteckt bekommt. Sie hat ihm ihren eigenen Nachtisch gegeben, weil der alte Mann sich immer wieder über den weichpürierten Fraß beschwert, den sie ihm im Pflegeheim als "Essen" vorsetzen.

"Now don`t tell anyone", she says, bustling in and sliding my dinner-table-cum-vanity over my lap. She sets down a paper napkin, plastic fork and a bowl of fruit that actually looks appetizing, with strawberries, melon and apple.
"I packed it for my break. I`m on a diet. Do you like fruit, Mr Jankowski?"
I would answer except that my hand is over my mouth and it`s trembling. Apple, for God`s sake.
She pats my other hand and leaves the room, discreetly ignoring my tears.
I slip a peace of apple into my mouth, savoring its juices. The buzzing fluorescent fixture above me casts a harsh light on my crooked fingers as they pluck pieces of fruit from the bowl. They look foreign to me. Surely they can´t be mine.

Fazit
Absolut lesenswert. Und die Geschichte regt dazu an, das Altern mit anderen Augen zu sehen.
 

Samstag, 8. September 2012

Wie versprochen: Schmonzetten Top fünf.

Kinder, Kinder, WATT BIN ICK BUSY, WA?!

Sorry. Diese Woche hatte ich eine Deadline für den ersten Teil meiner Master Thesis und war ganz allgemein bombastisch produktiv. Das macht mich zwar sehr stolz, den Blog aber sehr still und deswegen nehm ich mir jetzt mal ein Stündchen, um euch die versprochenen Schmonzetten Tips zu geben. Wie ich ja hier erwähnt hatte, mutiere ich regelmäßig von der eloquenten "Rezensentin klassischer Literatur" - klingt super, oder? ehrlich, ich bin kurz davor, mir das in den Lebenslauf zu schreiben! -  zur Schmonzetten Queen. Übrigens war ich völlig baff über euer Riesen Feedback zu dem Post, da hatte ich überhaupt nicht mit gerechnet. Es scheint, als hätte vor allem der Satz "Literatur muss nicht immer anspruchsvoll sein" ein kollektives erleichtertes Aufatmen ausgelöst. Gern geschehen, Mädels. Ran an die Romantik! Wer braucht schon Bildung? (Vorsicht, ich befinde mich in einer Masterarbeitsbedingten Gehirnverschwommenheit, was für euch ein Anlass sein sollte, nicht alles ganz so ernst zu nehmen, was ich heute schreibe.)

Wo war ich? Ach ja, Schmonzetten Queen. Aber NUR wenn es um die Romane einer ganz bestimmten Dame geht. Susann Elizabeth Phillips nennt sie sich und meine fünf Lieblinge von ihr hatte ich versprochen euch vorzustellen. Na denn man los. (Samt dämlicher deutscher Titel Übersetzung und haarsträubender Coverbilder.)

What I did for love (Aus Versehen verliebt)

Starten wir mal mit dem Aktuellsten. Dieses Buch nicht nur deswegen zu meinen Lieblingen, weil mein Freund sofort losgejettet ist, um es mir zu kaufen, als es rauskam, weil er wusste, wie sehnsüchtig ich immer auf die Bücher warte. Und nein, ich will nicht angeben was für einen coolen Freund ich habe... Na gut, doch. Also jedenfalls geht es um Georgie York, eine Schauspielerin, die in jedem Film das lustige, sympathische "Mädchen von nebenan" spielt. Selbst, als ihr Mann sie verlässt, macht sie gute Miene zum bösen Spiel, auch dann noch, als die Paparazzi über sie herfallen... bis sie ausgerechnet an ihren alten Co-Star Bram gerät - den sie natürlich hasst. Das Buch hat auf Goodreads einige ziemlich desaströse Bewertungen, - wobei ich über einen Kommentar ziemlich grinsen musste: "Seriously, if the next book sucks again, I´ll stab a blind dude in the kidney!" äh - ich hatte schon erwähnt, dass mein Humor nicht wirklich politisch korrekt ist, richtig? - was ich nicht nachvollziehen kann. Genau wie viele andere argwöhne ich, dass die Geschichte ziemlich stark an Jennifer Aniston und Brangelina angelehnt ist, ist mir aber egal. Es gab nicht nur eine Szene, in der ich wirklich Tränen gelacht habe!

Honey Moon (Dinner für drei)

Die Hauptaktuerin des Buches ist ein sechzehnjähriges Mädechen namens Honey Moon. Die deutsche Übersetzung des Titels ist deshalb nicht nur panne, sondern hochgradig makaber, wenn man den Hergang der Geschichte kennt. Aber naja. Das Buch ist gut. SEB (Susann EB, ihr versteht?) befasst sich hier mit ziemlich heftigen Themen. Ich könnte gut verstehen, wenn das von Lesern als klischeebeladen und oberflächlich wahrgenommen würde, vor allem von Betroffenen. Ich kann das nicht so beurteilen, hab aber geheult wie ein Schlosshund.

It had to be you (Ausgerechnet den?)
Hier haben wir den ersten Band der Chicago Stars Reihe. Phoebe Sommerville, Tochter des verstorbenen Ekelpakets und Football-Trainers Bert Sommerville tritt ihr Erbe an; als Strafe für ihren liderlichen Lebensstil hat ihr Vater ihr die Herrschaft über sein Football Team vermacht. Allerdings nur, wenn sie es schafft, die Stars auf Platz eins zu kriegen, was unmöglich ist. Die Blondine mit dem Hammerkörper und dem affektierten weißen Pudel- ein großes Hoch auf die deutschen Covergestalter! Good Job! - löst bei ihrem Erscheinen einen Riesenwirbel aus. Vor allem der Trainer des Footballteams ist absolut nicht angetan von seiner neuen Chefin. Und auch hier hassen sich die beiden. (Von daher ist der Titel des Buches durchaus passend. Wenn nicht jedes einzelne Buch von SEB diesen Titel tragen könnte. Was zugegebenermaßen aber nicht die Schuld der Übersetzer ist.

This heart of mine (Verliebt, verrückt, verheiratet)

Band zwei der Chicago Stars Reihe. Hier ist zwar die Titelübersetzung mal wieder ein Anlass zum Fremdschämen - okay, die englischen Titel sind auch nicht der Knaller, aber wenigstens nicht ganz so doof -  aber dafür passt ausnahmsweise mal die Dame auf dem Cover. Diesmal haben wir es mit Molly zu tun,  Phoebe Sommervilles kleiner Schwester. Und die hat sich gerade die Haare raspelkurz geschnitten und knallrot gefärbt. Und jeder, der Molly kennt, weiß: wenn die brave Kinderbuchautorin etwas derart verrücktes macht, bahnt sich Unheil an. Das Unheil kommt in Form von Kevin, dem unzuverlässigen Quarterback der Stars. (Sorry, Ich merke auch, dass ich klinge wie ein Klappentext aber mir gelingt es grad nicht, das abzustellen. Gehirrn Matsch.) Naja, wie das jedenfalls so ist, landen Kevin und Molly miteinander im Bett (das ist KEIN Spoiler. Die landen IMMER im Bett!) und irgendwie landet Molly dann mitten in Kevins Problemen. Der hat nämlich gerade ein Freizeitreservat geerbt und will das partout nicht behalten. Da das Reservat aber ein kleines Paradies ist, kann Molly nicht zulassen, das er es verkauft. Frau Phillips spielt hier gekonnt mit den Wünschen kleiner Mädels - so wie mir. Es gibt dort pastellig gestrichene kleine Häuschen mit Hängematten und Verandas, auf denen Schaukelstühle stehen... Das Erstellen von zauberhaften kleinen Welten hat die Dame absolut drauf.

 Ain´t she sweet? (Frühstück im Bett)

Sugar Beth Carey, ehemalige Highschool Prinzessin und Anführerin der angesagtesten Mädels der Stadt kehrt nach 15 Jahren zurück in ihre Heimat. Dort warten aber schon all die Personen, denen Sugar Beth damals das Leben zur Hölle gemacht hat. Unter anderem ihr ehemaliger Lehrer, der wegen ihr seinen Job verloren hat. Und der aus Rache das Haus der Familie Carey gekauft hat... Äh - was jetzt kommt hört sich nach übelstem Groschenheftschund an, aber ich verspreche euch, das liest sich alles gaaanz anders! Jedenfalls ist Sugar Beth vollkommen pleite. Und weil ihre ärgste Feindin von damals nun die halbe Stadt in der Hand hat, findet sie auch keinen Job. AUßER bei ihrem alten Lehrer. Als Hausmädchen in ihrem eigenen Haus. (Ehrlich, ganz anders!)

Das waren meine Top Fünf SEB Schmonzetten. Falls ihr in Versuchung gekommen seid - und wer könnte das nicht, bei dermaßen genialen Settings - lauft einfach mal über den nächsten Flohmarkt. Normalerweise gibt es immer mindestens fünf Stände, an denen einige der Bände gerade ausgemistet wurden. Viel Spaß. Und ich geh wieder zurück zu meinen wissenschaftlichen Artikeln. Und alle mal ganz laut im Chor: "ENDLICH WIEDER ANSPRUCH!"

Sonntag, 1. Juli 2012

[Themen-Challenge: Schuld] Forbidden - Wenn Liebe Leben zerstört

Forbidden von Tabitha Suzuma, 2011.
Cover via Homepage der Autorin
"I don´t need to think about this anymore. What I do desperately need is sleep. Otherwise I´ll fall apart. I´m going to fall apart. I am falling apart."

Dies ist mein sechster Beitrag zu  Neyashas Themen-Challenge, diesmal zum Thema Schuld.

Oh Hölle, was für ein Buch.
Ich wusste schon, dass ich sowas nicht mitten in der Masterarbeits-Phase anfangen sollte, ich konnte einfach nicht mehr aufhören. Ich habe Freitag Abend angefangen zu lesen und konnte bis tief in die Nacht das Buch nicht weglegen. Und dann auch nur, weil mir die Augen zugefallen sind. Nachdem ich mich dann gestern den ganzen Tag nicht konzentrieren konnte weil ich immer nur die Geschichte im Kopf hatte, habe ich mich entschieden kurzen Prozess zu machen und hab es dann bis heute Morgen durchgelesen. Und jetzt, wo ich eigentlich wissenschaftliche Literatur lesen sollte, mache ich eine Ausnahme für diese Rezension, denn ich weiß dass ich das hier abschließen muss, bevor ich mich auf meine Arbeit konzentrieren kann.

Zur Story
Maya ist 16, ihr Bruder Lochan ist 17. Die beiden gehen noch zur Schule und kümmern sich nebenbei um ihre drei kleinen Geschwister, da ihre alkohol- und partysüchtige Mutter die Familie immer mehr komplett ignoriert und ihr Vater schon vor Jahren mit einer neuen Frau das Land verlassen hat. Um unter der großen Belastung nicht zusammenzubrechen, haben Maya und Lochan nur den jeweils anderen und sie können sich immer aufeinander verlassen. Sie haben, seitdem sie selbst kleine Kinder waren, eine fünfköpfige Familie zusammengehalten und mussten für ihre Geschwister Vater und Mutter ersetzen. Als sie irgendwann merken, dass sie mehr füreinander fühlen, als Geschwister es normalerweise tun und diesen Gefühlen nachgeben, droht die ganze Welt die die beiden so mühsam zusammengehalten haben zu zerbrechen.

Meine Meinung
Ich... puh. Schwierig. Fangen wir mit einem Fakt an. Ich arbeite mit Eselsohren. Ein Eselsohr für eine gute Textstelle im Buch. Eine, die mich mitgenommen hat, mich begeistert hat, was auch immer. Und ich habe noch NIE ein Buch so zerfleddert wie dieses. Ich würde  sagen, ich habe ungefähr jede zweite Seite markiert. Kein Satz ist hier überflüssig und jeder einzelne steckt so voller Leidenschaft, Verzweiflung, Hoffnung, Liebe, Zärtlichkeit oder nackter Panik, dass die Geschichte den Leser durch die Seiten jagt, ohne ihm die Gelegenheit zu geben, zwischendurch Luft zu holen. Und ich meine das wörtlich, ich habe an mehreren Stellen des Buches vergessen zu atmen.

Die Geschichte an sich hat einen ganz einfachen Plot, um den herum sich alles abspielt: Zwei Geschwister verlieben sich ineinander. Ich habe keine Ahnung, wie oft so etwas vorkommt. Und ich kann auch nicht ansatzweise nachfühlen, wie sich eine solche Liebe entwickeln könnte, ich habe nämlich keine Geschwister. Von daher fällt es mir wirklich schwer zu beurteilen, ob Maya und Lochan im Buch überhaupt jemals das Gefühl von Bruder und Schwester aufkommen lassen, mir kamen sie von der ersten Seite vor wie ein Liebespaar. Ein Liebespaar deren Geschichte so kraftvoll, so herzzerreißend leidenschaftlich erzählt ist, dass dem Leser eigentlich keine andere Möglichkeit gegeben wird als mit ihnen zu hoffen, dass ihre Liebe doch irgendwie möglich ist. Eine Liebe so rein und doch so voller Schuld, dass sie die beiden droht zu ersticken.  Vor allem Lochan, der seit seinem zwölften Lebensjahr die alleinige Verantwortung für seine ganze Familie trägt, spürt das. Er verliert buchstäblich seine Stimme, ist so schüchtern, dass er außerhalb seiner Familie keinen Ton herausbringt. Außer, wenn es darum geht, ihre Familiensituation vor dem Jugendamt zu verstecken. Wenn er darum kämpft seine Geschwister zusammenzuhalten, schafft er es den Erwachsenen Mann zu mimen, obwohl er innerlich von Panikattacken geschüttelt wird. Und die Kraft dafür bekommt er von der einzigen Person, die auf seiner Seite steht: Maya. Als Lochan zum allerersten Mal in ihren Armen zusammenbricht - er hat seitdem sein Vater sie verlassen hat nicht mehr geweint - war ich so mitgenommen, dass mir richtig übel geworden ist.

I try to dry my eyes on my shirtsleeve, but the tears keep coming and I can´t understand why I am so utterly powerless to stop them.
"Shh, come here-" Maya tries to pull me round to face her, I push her roughly away. She tries again. Frenziedly I fend her off with one arm.
"Don´t Maya, stop it for chrissakes - please! Please! I can´t - I can´t-!" The sobs burst out with each word. I can´t breathe. I´m terrified. I´m faling apart.
"Lochie calm down. I just want to hold you, that´s all. Just let me hold you." Her voice adopts the soothing tone she uses when Tiffin or Willa are upset. She´s not going to give up.
I scrape the fingernails of my hand against the wall, violent sobs running in shock waves through my body, tears soaking my sleeve. "Help", I find myself gasping. "I don´t understand what´s wrong with me!"

An diesem Punkt haben die beiden sich noch nicht eingestanden, was sie füreinander empfinden. Wenn sie es schließlich tun, gibt es auf  einmal in diesem ganzen verzweifelten, schwierigen Leben das die beiden führen, einen Lichtblick und den will man auch als Leser nicht aufgeben. Die beiden sind so gut füreinander und  tun dabei doch keinem weh, dass weder sie, noch der Leser verstehen können, was an dieser Liebe so falsch sein soll. Solange sie keine Kinder bekommen, geht es doch niemanden etwas an, was sie tun. Und doch können sie, sobald jemand etwas bemerkt, ins Gefängnis wandern. Denn Inzest ist in England (dort wo das Buch spielt) und auch in Deutschland (habs grad nachgeguckt) strafbar. Und was für die beiden noch viel schlimmer ist: Sie würden die Kinder verlieren. Zusätzlich haben die beiden jede Sekunde mit ihrem Schuldgefühl zu kämpfen dass sich nur aus den gesellschaftlichen Moralvorstellungen speist. Denn obwohl sich für Maya und Lochan alles so wie es ist genau richtig anfühlt, wissen sie doch, dass sie gesellschaftlich gesehen nicht normal sind. Und schließlich sind sie als Teil dieser Gesellschaft aufgewachsen. Ich hab irgendwann einen solchen Verfolgungswahn entwickelt - immer in der Angst, dass die beiden entdeckt werden - dass ich bei jeder Liebesszene schon mal eine Seite weiter geguckt habe, ob es positiv ausgeht (das mache ich sonst nie. Wirklich NIE!). Aber die Spannung wäre mir sonst einfach zu krass geworden, die Angst vor der Entdeckung hätte mich die ganze Szene lang atemlos gemacht.

Tabitha Suzuma greift mit diesem Roman mutig ein Tabuthema auf, mit dem sich normalerweise wahrscheinlich niemand beschäftigt, der nicht direkt betroffen ist. In Deutschland gibt es derzeit eine Diskussion ob das oben genannte Verbot rechtmäßig und zeitmäßig ist. Dieser Roman facht die Diskussion auf jeden Fall weiter an. Ich kann mir auf der Basis von erfunden Figuren da keine Meinung bilden, aber das Argument "es geht doch keinen außer den beiden was an, wenn beide es wollen" macht meiner Meinung nach grundsätzlich erstmal Sinn. 

Was ich auf jeden Fall sagen kann, ist das dieses Buch mit Sicherheit eines der besten des letzten Jahres ist. Es hält den Leser von der ersten Seite an so fest in seinen Klauen, dass die Auswegslosigkeit der Situation ihn in einen dunklen Tunnel manövriert, der auch mit der letzten Seite nicht endet. Was bleibt, ist Hilflosigkeit.

Dienstag, 6. Dezember 2011

15.) Listen-Nr. 14: Rebecca von Daphne du Maurier (1938)

"The roses were hers and i cut them. Did she resent me and fear me as I resented her? I could fight the living but I could not fight the dead. If there was some woman in London that Maxim loved, someone he wrote to, visited, dined with, slept with, I could fight with her. We would stand on common ground. I should not be afraid. Anger and jealousy were things that could be conquered. One day the woman would grow old or tired or different, and Maxim would not love her any more. But Rebecca would never grow old. Rebecca would always be the same. And her I could not fight. She was too strong for me."
Wichtig: Ich weiß, das Cover ist knallbescheuert, aber lasst euch dadurch bloß nicht davon abhalten, das Buch zu lesen!

Zur Story: 
Die Geschichte wird von der zweiten "Mrs. De Winter" erzählt und dass deren Name nie genannt wird, fällt mir gerade zum ersten Mal auf. Sie ist jung, unerfahren, vollkommen allein auf der Welt und verliebt in einen Mann, der sie allem Anschein nach nur geheiratet hat, um über seine tragisch ertrunkene erste Frau hinwegzukommen. Rebecca. Rebeccas Schatten schwebt über Manderley, dem Anwesen auf das Maxim de Winter mit seiner ersten Frau gelebt hat und in das nun auch seine zweite Frau einzieht. Das Personal, allen voran die (saugruselige) Haushälterin Mrs. Danvers, welches immer noch um die begabte und wunderschöne Rebecca trauert, ist von diesem Umstand alles andere als begeistert. Der jungen Braut wird das Leben schwer gemacht und durch ihre Schüchternheit und Unsicherheit ist sie ein leichtes Opfer. Außerdem macht sie zunehmend Entdeckungen, die ihr Leben mehr und mehr zu einem sinisteren Albtraum werden lassen. Rebeccas Zimmer, in dem nichts verändert werden darf und der Klang der Blätter vor dem Fenster, die sich anhören wie Frauenkleider...

Meine Meinung:
Bis jetzt eines der besten Bücher der Liste. Allerdings bin ich ja ein kleiner Hasenschiss, wenn´s gruselig wird und dieses Buch lässt in so viele pechschwarze seelische Abgründe blicken, dass ich es Nachts nicht gelesen habe. Ganz besonders dazu beigetragen hat Mrs. Danvers, die alte Psychopathin, die schon in ihrem allerersten Auftritt mit ihrer lieblichen Erscheinung besticht: "groß und hager, gewandet in tiefes schwarz, deren  tiefliegende Augen ihr das Aussehen eines Totenkopfes gaben." Na super, auf die Bekanntschaft könnte ich auch verzichten. Dass sie allerdings so vollkommen ungestraft die neue Mrs. de Winter terrorisieren darf, nehme ich Maxim de Winter echt übel. Fairerweise erfährt er allerdings auch nichts davon, denn seine junge Frau kriegt vor lauter Schüchternheit den Mund nicht auf. Außerdem will sie ihn ja nicht beunruhigen.. Puh.Und außerdem finde ich dass sie, dafür dass sie ja "so in love" ist, ihre Ansicht manchmal reichlich komisch. 
"As I sipped my cold tea, I thought with a tired, bitter feeling of despair that I would be content to live in one corner of Manderley and Maxim in the other as long as the outside world should never know. If he had no more tenderness for me, never kissed  me again, I believe I could bear it, if I were certain, that nobody knew of this." 
Was ist das denn? Raus da und kämpf, Mädchen! 

Allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass wir uns in England (Gute Manieren über alles!) und in den 30ern befinden. Ein Skandal konnte da schnell mal die gesellschaftliche Stellung und alle Hoffnung auf ein erfolgreiches Leben kosten. Und unsere Heldin ist sowieso nicht so die Rebellin. Sie lässt einfach alles mit sich machen und nimmt es denn auch hin, dass ihr Mann sich kaum um sie kümmert. Ehrlich gesagt ist mir die junge Dame erst mal ziemlich auf den Keks gegangen. Ich wüsste aber auch nicht genau, wie ich reagieren würde wenn die Haushälterin ankommt und mir anbietet, an den Kleidern der toten Frau meines Mannes zu riechen, die sie "nie gewaschen hat und die noch genauso riechen, wie an dem Abend bevor Mrs. de Winter starb." Brrr. Die Situation spitzt sich immer mehr zu, die junge Braut beginnt sowohl an ihrem Verstand als auch an ihrer Ehe zu zweifeln. Seltsame Zwischenfälle häufen sich und Maxim geht immer mehr auf Abstand. Bis etwas passiert, dass die junge Ehe auf eine Kraftprobe stellt und die Braut vor der Wahl steht zu zerbrechen oder ungeahnte Kräfte zu mobilisieren. 

Mein Fazit:
Die Geschichte ist meisterhaft erzählt und obwohl gar nicht soo viel passiert, ist es von der ersten bis zur letzten Seite packend. Ich musste es für die Uni zwischendurch ein paar Tage weglegen, als ich ungefähr in der Mitte angekommen war und war dann drei Tage lang total hibbelig. Wieder mal merke ich, was für eine gute Idee das Projekt 100Bücher war, denn mit dem Cover hätte ich das Buch normalerweise nicht mal angefasst! 

Sonntag, 13. November 2011

14.) Listen-Nr. 97, Die Liebe in den Zeiten der Cholera von Gabriel García Márquez

"Als sie den Mann sah, der sich so offenkundig für sie eingekleidet hatte, konnte sie nicht verhindern, dass ihr die brennende Röte ins Gesicht stieg. Sie war verwirrt, als sie ihn begrüßte, und ihn verwirrte ihre Verwirrung. Das Bewusstsein, sich wie ein Liebespaar zu benehmen, verwirrte beide noch mehr, und das Bewusstsein, verwirrt zu sein, verwirrte beide dermaßen, dass es Kapitän Samaritano vor Mitgefühl bebend registrierte. Er half ihnen über die Verlegenheit hinweg, indem er ihnen zwei Stunden lang die Bedienung des Steuers und der Maschinen des Dampfers erklärte."


Zum Inhalt:
Florentino Ariza ist 18, als er sich in die Schülerin Fermina Daza verliebt. Jahrelang schreiben sie sich Briefe, er glühende Liebesbriefe, sie pragmatische Erwiderungen. Als Ferminas Vater von diesem - gleichwohl platonischen, denn die beiden haben nicht einmal miteinander geredet - Verhältnis erfährt, entführt er Fermina auf eine Reise des Vergessens, denn er hat etwas besseres für sie vorgesehen, sie soll einmal reich heiraten und zu einer angesehenen Frau werden. Den Briefverkehr kann er damit jedoch nicht beenden, im Gegenteil: Fermina und Florentino verloben sich auf diesem Wege sogar miteinander. Erst als sie, nun schon eine junge Frau, von der Reise zurückkommt und ihren Verlobten wieder sieht, zerbricht die Beziehung. Fermina erkennt, dass ihre Liebe nur in den Briefen existiert hat und heiratet kurz darauf einen Anderen. Florentina Ariza jedoch schwört sich, ewig auf sie zu warten und ihr, wenn die Zeit reif ist, noch einmal seine Liebe zu beweisen. 51 Jahre, 9 Monate und 4 Tage später, bekommt er die Gelegenheit dazu.

Meine Meinung:
Wenige Jahre bevor dieses Buch veröffentlicht wurde bekam García Márquez den Literaturnobelpreis für seine Werke, "die Realismus mit Fantasie verknüpfen und das Leben und die Konflikte eines Kontinents abbilden". Das er es geschafft hat, als lateinamerikanischer Autor und mit Geschichten die sich auf ebenjenem Kontinent zutragen, auf der BBC Bestenliste sogar mit zwei Romanen vertreten zu sein, spricht ja schon Bände. Mit der "Liebe in den Zeiten der Cholera" erzählt García Marquez eine wunderbar nostalgische und eindringliche Liebesgeschichte auf die ihm eigene federleichte und dabei stellenweise extrem ironische Art. Diese unerschöpfliche Liebe eines immer älter werdenden Mannes zu einer gleichsam alternden Frau ist immer poetisch, oft ehrlich aber niemals kitschig erzählt. García Marquez geht spürbar liebevoll mit seinen Hauptfiguren um, erlaubt ihnen aber die Macken und kleinen Charakterfehler von echten Menschen und verpackt diese dann so charmant, dass auch der Leser die Figuren liebgewinnt. So handelt es sich bei dem Helden der Liebesgeschichte um einen frühzeitig kahl gewordenen Sonderling mit chronischer Verstopfung, während die Angebetete Fermina eine große Schönheit aber dabei eigensinnig und unreflektiert ist und so stur, dass ein Streit schon mal in monatelange Stille ausarten kann. Während sie damit beschäftigt ist, Kinder von ihrem Mann zu bekommen und auf Galaveranstaltungen zu erscheinen, hat Florentino in aller Stille dutzende Geliebte, über die er gewissenhaft Buch führt, bis er "25 Hefte mit 622 Eintragungen über dauerhafte Liebschaften" beisammen hat. Niemals jedoch handelt es sich um etwas Ernstes, denn er bleibt seiner Liebe zu Fermina Daza immer treu.

Wikipedia bezeichnet García Marquez Stil als "Magischen Realismus" und der Leser erahnt sofort auf den ersten Seiten, was damit gemeint ist. Das Buch beginnt mit dem Selbstmord eines Mannes, der für den weitern Verlauf der Geschichte unwichtig ist, jedoch glasklar die verschiedenen Einstellungen der Charaktere zu Liebe hervorhebt. Denn wo Ferminas Mann von dem Selbstmord seines Freundes und dessen nun herausgekommener jahrelanger heimlicher Liebe geschockt ist, sieht Fermina Daza die Sache aus einem ganz anderen Blickwinkel. Sie erkennt die Romantik an, mit der der Tote "auf jeden Fall mit 60 sterben" wollte und die große Liebe, die seine Geliebte dazu verleitet hatte, ihm bei diesem Entschluss zu helfen. (Ihre einzige Untreue besteht darin, nur einen lockeren Knoten in die Leine des Hundes zu machen, den Ihr Geliebter mit in den Tod nehmen möchte und der dann auch treu an seiner Seite die Giftgase einatmet, obwohl er sich hätte befreien können.) Dieses Talent eine "Geschichte in einer Geschichte" zu erzählen, macht die Bücher von García Marquez so faszinierend, er schafft es, in nur wenigen Sätzen eine ganz neue Dimension zu erschaffen. Dabei lässt er oft so unerwartet eine großen Tropfen bitterbösen schwarzen Humors mit einfließen, dass der Leser getroffen zusammenzuckt und dann laut herauslacht. Nachdem beispielsweise Florentino Ariza jahrelang erbitterten Widerstand gegen seinen Haarausfalls leistet und es "kein Opfer gab, dass er nicht auf sich genommen hätte, um jeden Zollbreit seiner Kopfhaut vor der gefräßig sich ausbreitenden Wüstenei zu verteidigen", kommt er schließlich auf die Idee, von seinem völlig kahlen Friseur zu zu einem zugezogenen Fremden zu wechseln, der nur bei zunehmenden Mond Haare schneidet. "Der neue Friseur war gerade erst dabei zu beweisen, dass er eine wahrhaft fruchtbringende Hand besaß, als sich herausstellte, dass er Novizinnen vergewaltigt hatte und im ganzen Antillenraum von der Polizei gesucht wurde; man führte ihn in Handschellen ab."

Fazit:
Eine wundervoll poetische Liebesgeschichte, erzählt von einem detailverliebten Realisten mit einer großen Portion Ironie. Wer denkt, Romantik und Realismus können nicht Hand in Hand gehen, irrt.

Donnerstag, 1. September 2011

Wuthering Heights/Sturmhöhe, der Film

Nun ist es schon über eine Woche her, dass ich Wuthering Heights gelesen habe. Die Geschichte geistert mir immer noch im Kopf herum, das Buch lässt mich nicht los. Deshalb habe ich gestern mal bei Youtube ein bisschen rumgesucht, was es denn so für Verfilmungen gibt. Bei solch berühmten Klassikern kommt man normalerweise auf diverse Versionen. Mir war natürlich klar, dass ich mich auf einige Enttäuschungen gefasst machen muss, denn es passiert nun einmal nicht so oft, dass ein Film an das Buch heran kommt. Tatsächlich konnte ich beim ersten Trailer, der 1992er Version, nur den Kopf schütteln. Mal abgesehen davon, dass der Trailer schon von einem Gespräch eingeleitet wird, dass im Buch überhaupt nicht vorkommt, ist die Rollenbesetzung meiner Meinung nach total daneben gegangen! Wie kann man denn bitte die leidenschaftliche, selbstsüchtige, unvergessliche Rolle der Cathy mit Juliette Binoche besetzen??? Sie mag ja spielen können, aber ich hab schon damals in Chocolat nicht verstanden, warum um Himmels Willen sich Johnny Depp in sie verlieben sollte. Und dass nun Heathcliff sein ganzes Leben aufgibt, um einer Schlaftablette wie Juliette Binoche nachzutrauern... Naja. Aber da ja solche Themen immer subjektiv sind, hat der Film auch eine Menge Anhänger und er ist wohl sehr nah am Buch gehalten.

Schon in den ersten Sekunden gefangen genommen hat mich dagegen der Trailer zu der 2009er Version, die Rollen sind perfekt besetzt! Alle Charaktere sind haargenau so, wie ich sie mir vorgestellt habe. Da sich jemand die Mühe gemacht hat, die Vollversion in Einzelteilen auf Youtube hochzuladen, hatte ich, bevor ich mich versah, den ganzen Film angeschaut. Er hat mich nicht enttäuscht. Und das ist nun bei einem Buch, das mir so gut gefallen hat nun wirklich keine Kleinigkeit! Auch wenn irgendwie eine Schlüsselszene fehlt, nämlich die als Cathy verzweifelt die halbe Nacht durch den Regen läuft um Heathcliff wiederzufinden, schaffen es die Schauspieler, die Stimmung des Buches auf den Punkt genau einzufangen. Charlotte Riley ist eine großartige Cathy und Tom Hardy spielt die Rolle des Heathcliff mit einer so atemberaubenden Intensität, dass mir ganz schwindelig geworden ist. Deshalb habe ich hier ein wunderschönes Video, das ich euch nicht vorenthalten wollte. Es ist hinterlegt mit der - etwas gewöhnungsbedürftigen - Musik von Kate Bush, die anscheinend tatsächlich mal einen Song mit dem Titel "Wuthering Heights" gemacht hat. Nachdem ich das Video jetzt ungefähr eine Million mal gesehen hab, finde ich den Song schon richtig gut. :P

Also ab dafür, hier ist die Minifilmversion des wunderschönen Wuthering Heights. Aber Vorsicht! Wer das Buch noch nicht gesehen hat, sollte den Film auf keinen Fall ganz angucken - BÖSER SPOILER!




You had a temper, like my jealousy
Too hot, too greedy
How could you leave me?
When I needed to possess you?
I hated you, I loved you too

Bad dreams in the night
They told me I was going to lose the fight
Leave behind my wuthering, wuthering
Wuthering Heights.

Freitag, 26. August 2011

9.) Listen-Nr. 12: Sturmhöhe von Emily Brontë, 1847

“And I pray one prayer
–I repeat it till my tongue stiffens–
Catherine Earnshaw, may you not rest as long as I am living; 

you said I killed you
–haunt me, then! 
The murdered DO haunt their murderers, I believe. I know that ghosts HAVE wandered on earth. 

Be with me always
–take any form–
drive me mad! 

Only DO not leave me in this abyss, where I cannot find you! Oh, God! it is unutterable! I CANNOT live without my life! I CANNOT live without my soul!"

Zur Story:
Wuthering Heights, zu deutsch "Sturmhöhe", ist ein Anwesen tief im Herzen der Moore Englands. Die Menschen hier sind abgehärtet und zäh, die rauhe Landschaft und das harte Wetter können ihnen nichts anhaben. Zwei Geschwister wachsen auf dem Anwesen auf, Catherine Earnshaw, Cathy genannt, und ihr älterer Bruder. Als Cathy sechs Jahre alt ist, bringt ihr Vater ein Findelkind mit nach Hause. Dieser kleine Junge mit dem Namen Heathcliff wird von da an vom alten Earnshaw ständig bevorzugt, was Cathys Bruder dazu bringt, ihn abgrundtief zu hassen und zu schickanieren. Cathy leidet darunter, denn sie und Heathcliff werden die allerbesten Freunde. Als die Jahre vergehen, wächst Cathy zu einer atemberaubend schönen, jedoch furchtbar egoistischen jungen Frau heran. Heathcliff, dem nach dem Tod des Vaters niemand mehr Aufmerksamkeit, geschweige denn Bildung, zuteil werden lassen hat, verwahrlost immer mehr und wird zu einem finsteren, übellaunigen Eigenbrötler. Seine ganze Liebe gehört Cathy, denn die beiden sind weiterhin unzertrennlich. 

Die Geschichte spitzt sich zu, als Cathy den Heiratsantrag des jungen, reichen und dabei herzensguten Edgar Linton annimmt, obwohl sie ganz genau weiß, dass sie ihn nicht liebt. "I have no more business to marry  Edgar Linton, than I have to be in heaven; and if the wicked man in there had not brought Heathcliff so low, I shouldn´t have thought of it. It would degrade me, to marry Heathcliff now, so he shall never know how i love him: and that, not because he´s handsome, Nelly, but because he´s more myself than I am. Whatever our souls are made of, his and mine are the same: and Linton is as different as a moonbeam from lightning, or frost from fire." Heathcliff, der diese Sätze zufällig mit angehört hat, läuft davon. Drei Jahre lang bleibt er verschwunden und in dieser Zeit heiraten Cathy und Edgar Linton und führen eine einigermaßen glückliche Ehe, die vor allem davon getragen wird, dass Edgar seine launische, selbstzerstörerische Frau vergöttert und ihr jeden Wunsch von den Augen abliest. Doch dann steht auf einmal Heathcliff wieder vor der Tür, und er ist nicht mehr der verwahrloste kleine Junge, sondern ein gepflegter Gentleman, der es zu Geld gebracht hat. Und er sinnt auf Rache.

Meine Meinung:
Wieder habe ich hier ein Buch der Schwestern Brontë. Diesmal schreibt Emily Brontë und es wird ihr einziges Buch bleiben, denn ein Jahr nach seiner Veröffentlichung stirbt die Autorin an Tuberkulose.Angeblich weigerte sie sich bis zuletzt, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen oder sich ins Bett zu legen, weil sie "der Natur ihren Lauf" lassen wollte. Ein tragischer Verlust, denn damit hat sie die Welt um weitere Geschichten wie diese gebracht! Vor ein paar Tagen habe ich ich Wuthering Heights zu Ende gelesen. Ich konnte mich bis jetzt noch nicht überwinden, eine Rezension zu schreiben, ganz einfach weil mir die Worte fehlen. Dieses Buch ist eine Naturgewalt, es überrollt den Leser mit seiner Leidenschaft, seiner Grausamkeit, seiner Schönheit. Seit ich die Geschichte aus der Hand gelegt habe, konnte ich sie kaum einen Moment aus meinen Gedanken verbannen. Die Charaktere verfolgen den Leser weit über das Ende hinaus.

Emily Brontës erstes Werk hat im viktorianischen England des 19. Jahrhunderts eine ganze Flut von Kritikern hinter den Öfen hervor gelockt. Als dann noch bekannt wurde, dass das Buch von einer Frau geschrieben worden war (Wie ihre Schwester hatte auch Emily Brontë zuerst unter einem männlichen Pseudonym veröffentlicht), kannte die Entrüstung keine Grenzen mehr. Wie konnte eine Frau derart wilde Charaktere erschaffen? Zum ersten mal in dieser Zeit wurde ein so offensichtlich bösartiger Charakter wie Heathcliff zum Held eines Buches. Doch auch heute noch ist das verwirrend. Normalerweise gibt es in einer Geschichte ganz klar abgegrenzt das Gute und das Böse, das Helle und das Dunkle. Der Leser weiß genau, auf welcher Seite er zu stehen hat. Und normalerweise sind die "Guten" diejenigen, die die Liebe auf ihrer Seite haben.Wie aber ist es hier? Alle Figuren zeigen irgendeine Art von Liebe, mit Sicherheit. Aber keinem Charakter wird von der Autorin eine derartige Präsenz zugebilligt wie der zerstörerischen Strahlkraft Catherines, der vergeltungsgetriebenen Leidenschaft Heathcliffs. Und aus seiner Leidenschaft speist sich das Buch,sie gibt ihm seine Kraft. Die weniger leidenschaftlichen, dafür nach menschlichen Maßstäben "guten" Charaktere werden von Catherine und Heathcliff ins Abseits gedrängt, sie sind austauschbar, kaum präsent.

Mein Fazit:
Ich habe Wuthering Heights atemlos verschlungen. Liebe war niemals so gefährlich, so zerstörerisch, wie hier. Wenn zwei derart egoistische Charaktere wie Heathcliff und Cathy aufeinandertreffen, dann wird ihre Liebe zu einer unberechenbaren dunklen Macht, die alles verbrennt, was mit ihr in Berührung kommt. Als das Buch beginnt, ist Cathy schon tot; in den Wahnsinn getrieben und dann zugrunde gerichtet durch ihre unmögliche Liebe. Heathcliff jedoch überlebt und seine verzweifelte Bösartigkeit ruiniert im Laufe des Buches mehrere Leben. Der Leser verfällt einem Sog, der alles mit in den Abgrund reißt. Und ganz nebenbei verfällt er auch der Schönheit der wilden, englischen Landschaft. Ein Klassiker. Ein Muss. Und eine Fragen aufwerfende Abhandlung über den Egoismus der Liebe.
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