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Donnerstag, 1. Dezember 2016

My first NaNoWriMo: 12 Dinge, die ich beim Schreiben meines ersten Buches gelernt habe



Alter Schwede. Am Dienstag, den 29.11. habe ich meinen Wordcount im NaNoWriMo-Dashboard auf 50.541 Wörter gestellt. Und das, nachdem da am Sonntag Abend noch unter 40.000 drin standen. Das Gefühl nach dem NaNo kann man nicht beschreiben, das muss man erlebt haben. Es ist vielleicht so, wie endlich die Master Arbeit abgeben, nur dass man auf dem Weg dorthin unendlich viel mehr Spaß hat (ich zumindest), viel mehr lernt (auch ich, traurigerweise) und sehr viel weniger Zeit hat (hätte ich 2012 kein Jobangebot bekommen, würde ich wahrscheinlich heute noch an meiner Masterthese sitzen...)

Für alle, die den NaNoWriMo (National Novel Writing Month) nicht kennen, hier nur ein paar ganz knappe Stichwörter:
  • Jedes Jahr im November
  • Mind. 50.000 Wörter in einem Monat
  • Der Einzige der das nachprüft, seid ihr selber
  • Vorwissen ist nicht nötig 
Das wars, im Wesentlichen. Theoretisch ist nicht mal eine Idee nötig, denn in den Hunderten von Foren gibt es nicht nur Tausende "Wrimos", die das gleiche Ziel haben, sondern auch ihre Ideen zur Adoption freigeben oder bei der Ausgestaltung der eigenen Idee helfen. Ich habe relativ spät angefangen, die Foren zu nutzen, dann aber gelernt, dass sie eins der genialsten Features am NaNoWriMo sind! Was habe ich noch über mich gelernt?

1. Ich schreibe langsamer als ich dachte.

Tja. Ich habe pro Tag ca. 4 Stunden zum Schreiben eingeplant, wobei ich damit gerechnet habe, dass ich an einigen Tagen auch gar nicht zum Schreiben kommen würde. Bei ca. 1.667 Wörtern, die man durchschnittlich am Tag schaffen muss, um am Ende des Monats auf die 50.000 zu kommen, bin ich davon ausgegangen, das das luxuriös viel Zeit ist. Nur um dann rauszufinden, dass mein durchschnittliches Schreibtempo bei 500 Wörtern pro Stunde liegt. 

2. Abends bin ich nur im Ausnahmefall noch produktiv

Das ist theoretisch ja ganz hervorragend und passt genau, aber es fiel mir nicht nur sehr schwer, länger als drei Stunden (allerhöchstens!) am Stück konzentriert zu arbeiten, sondern ich habe auch gemerkt, dass ich Abends nach acht Uhr nur noch im Ausnahmefall produktiv bin (zum Beispiel wenn ich weiss, dass ich in den nächsten zwei Tagen 10.000 Wörter schaffen muss, weil ich sonst verliere).

3. Vorarbeiten? Vergiss es!

Jeden einzelnen Tag in den ersten drei Wochen dachte ich: "Na komm, heute machst du mal mehr, als du musst, dann hast du nach hinten raus einen Puffer!" Pfff... keine Chance. Normalerweise habe ich mich jeweils Morgens drei und Abends ein bis zwei Stunden an den Computer gesetzt, je nachdem wie viel Zeit ich hatte. Sobald ich jedoch Morgens schon ungefähr auf meine Wörter gekommen war, konnte ich mich Abends plötzlich nicht mehr konzentrieren. Danke Gehirn. 

4. Wer schreiben will, muss lesen. ABER VOR ALLEM SCHREIBEN!

Stattdessen bin ich in diesen Fällen in die Badewanne gegangen und habe einen Tipp von Stephen King befolgt: "Wer schreiben will, muss vor allem lesen." Und er hat Recht, lesen hilft wirklich enorm zu erkennen, wie andere Autoren bestimmte Dinge angehen, Spannung aufkommen lassen, Charaktere einführen, Flashbacks schreiben, etc. Das funktioniert aber nur, wenn man sich gleichzeitig auch im Prozess des Schreibens befindet (also nicht in der gleichen Sekunde, wir verstehen uns), denn dann kann man das Gelernte auch anwenden, bzw. die eigenen Fragen evtl. in anderen Büchern gelöst sehen. Diese Fragen stellen sich aber erst beim Schreiben. Der stetige Wechsel aus Lesen und Schreiben war für mich also wirklich lehrreich. Ansonsten würde ich sagen, gibt es mit dem Lesen im November ein klitzekleines Problem: Es hält vom Schreiben ab! 

5. Verwirrt zog sie die Augenbrauen zusammen.. ach nein, tat sie doch nicht, verdammt.

Ich hatte noch ein anderes Problemmut dem Lesen, denn meine Wahl fiel auf die Hunger Games. Wahrscheinlich ungefähr zum 15. mal, aber erst jetzt wo ich selbst auch mal etwas geschrieben habe, verstehe ich wirklich wie GUT die Bücher geschrieben sind. Sie sind nicht nur spannend, mit starken Figuren und einer Hammer Geschichte - die Autorin hat es auch geschafft, fast komplett auf Adjektive zu verzichten! Das habe ich früher überhaupt nicht gemerkt, aber nun stand ich plötzlich vor der Frage: Wie zum Teufel hat die das hinbekommen?! 

6. Bloß nicht perfektionistisch werden. Man kann alles retten, ausser einer leeren Seite.

Ich war also von den Hunger Games nicht nur NOCH begeisterter als sowieso schon, sondern, zugegeben, ganz schön eingeschüchtert. Da rennt Katniss rum, mit dieser wahnsinnigen Charakterentwicklung während Fuchs, meine Titelheldin, die ganze Zeit nichts anderes macht, als verwirrt oder erstaunt ihre verdammten Augenbrauen hochzuziehen. In den ersten paar Tagen habe ich deshalb viel Zeit damit verbracht, mir zu überlegen, wie ich dieses oder jenes Gefühl durch Handlungen oder einen besseren Dialog darstellen kann. NaNoWriMo ist nicht der Monat dafür. Nachdem meine Wortkurve irgendwann so weit zurück war, dass ich schon langsam daran gezweifelt habe, ob ich es überhaupt noch schaffen kann, hab ich mich vom Perfektionismus verabschiedet und mich einfach nur darauf konzentriert, meine Wörter aufs Papier zu bringen. Und bei jedem Rückfall hat mir das Zitat von Nora Roberts geholfen:

"You can fix anything but a blank page"
Und siehe da. Nach ein paar Wochen regelmässigen Schreibens ging es von ganz alleine besser.
(Was nicht heisst, dass ich nicht Morgens über Sätze gestolpert bin, die ich Abends beim Einnicken noch schnell hingetippt habe - und mich beim besten Wissen nicht erinnern konnte, was ich damit eigentlich sagen wollte.)

7. Procrastination perfektioniert. Auf mich kann ich mich verlassen.


Könnt ihr euch bitte mal diese Wordcount-Kurve anschauen? Ich kenne mich ja nicht erst seit gestern, deswegen kann ich mittlerweile ganz gut einschätzen wie ich meine eigene Faulheit am Ende noch auffangen kann. Ich weiss, dass ich mich eigentlich auf mich verlassen kann und dass ich, wenn ich mir etwas vorgenommen habe, es am Ende auch durchziehe. Beim NaNo lebt es sich wirklich heikel mit so einer Einstellung. Da sind wir dann hier Zuhause nämlich am Wochenende alle krank geworden und ich war plötzlich so weit zurück, dass ich schon kurz davor war, das Ding einfach zu knicken. Ich wusste ja, dass ich durch Punkt 1 und 2 nie im Leben innerhalb von 3 Tagen auf 10.000 Wörter komme. Und was ist passiert? Ich hab Montags 5.000 Wörter aufs Blatt geknallt und war Dienstags fertig. Einen Tag vor der Deadline. Läuft, ne? (Diesmal wärs aber echt fast daneben gegangen, Mila, Mannomann!)

8. Ich bin definitiv kein Pantser

Beim NaNoWriMo werden zwei Typen von Autoren unterschieden: Die Pantser ("flying by the seat of your pants when writing a novel") starten am ersten November mit nichts als einer Idee und schreiben einfach drauflos, bis sie die paar Hundert Seiten voll haben, die sich mit 50.000 Wörtern so circa füllen lassen. Ich weiss nicht, wer diese Menschen sind, bin aber überzeugt, dass sie Genies sein müssen. Hätte ich nicht den ganzen Oktober damit verbracht, mir meinen Plot zurechtzulegen und meine Szenen zu planen, wäre mir spätestens nach einem Drittel die Puste ausgegangen. Die ersten zehn bis zwölf Tausend Wörter konnte ich im Eifer der ersten Woche noch einigermaßen linear unterschreiben, aber dann kommt - und ich glaube bei fast jedem - dieser Moment, wenn man sich wirklich motivieren muss, um sich den x-ten Tag in Folge wieder dranzusetzen. Und mir hat es extrem geholfen, dass ich einfach in den Szenen springen konnte. Hatte ich auf einen bestimmten Handlungsstrang an dem Tag einfach partout keinen Nerv, habe ich eben eine Szene aus einem anderen Teil des Buches geschrieben und sie dann hinterher miteinander verknüpft. Am nächsten Tag kann nämlich alles schon wieder ganz anders aussehen. Ohne allerdings eine schon vorher festgelegte Storyline stelle ich mir das Ganze echt schwierig vor.

9. Ein gewisses Wissen über Story Architektur ist notwendig.

Ich hatte vor diesem NaNoWriMo nicht nur noch nie ein Buch geschrieben, sondern auch null Ahnung davon hat, wie Bücher normalerweise geschrieben werden. Es war deshalb für mich eine RIESEN-Offenbarung, dass der Aufbau von Geschichten eigentlich immer dem gleichen Schema folgt. Völlig fasziniert habe ich alle Bücher aus meinem Regal geholt und eins nach dem anderen bei ca. einem Viertel der Seiten aufgeschlagen. Und siehe da: Ohne Ausnahme passiert auf diesen Seiten etwas wichtiges, so wichtig, dass der Held keine andere Chance hat, als bis zum Ende des Buches durch diese Geschichte zu gehen. Woah, was für eine Riesen Glühbirne da aufgegangen ist. Gott sei Dank habe ich mir im September und Oktober die Zeit genommen, mich mit dem Thema Story Architektur auseinander zu setzen. Ohne ein Verständnis für die Grundsätze hätte ich mich nicht nur mit den 50.000 Wörtern schwer getan - ich hätte schon beim Planen der Geschichte ein Problem bekommen. Sehr dankbar bin ich deshalb Larry Brooks, der sein echt hilfreiches Buch "When every month is NaNoWriMo" für nur 99 Cent als Kindle Version bereitstellt. (Alle Artikel sind auch auf seinem Blog zu finden, aber ich fand es ganz schön, mich nicht so durchklicken zu müssen)

10. Im November gibt es nur die blanke Seite und mich. Und mein Backup.

Durch Zufall bin ich auf eine Promotion der Software Ulysses gestoßen. Ich hatte mich nicht viel damit befasst wie ich mein Buch denn eigentlich schreiben will und hätte ansonsten vermutlich einfach Word genutzt, aber Ulysses ist so. viel. besser! Das Programm ist offensichtlich von Leuten entwickelt worden, die selbst schreiben und genau wissen, was ein Autor braucht und was er nicht braucht. Die Funktionen sind sinnvoll, die Tutorials, wenn man sie braucht, einfach zu verstehen und das Ganze ist super schnell zu meistern, selbst wenn man keinen Plan von Technik hat und sich auch nicht damit befassen möchte. Der Export ist mega easy und das Programm zaubert das Geschriebene mit einem Klick in ein sauber formatiertes Dokument, dass direkt wie ein Buch aussieht. Ulysses kann noch viel mehr, aber das meiner Meinung nach ganz große Plus ist der Editor, der sich so einstellen lässt, dass auf dem Monitor nichts als der gerade geschriebene Text auf einer weissen Seite zu sehen ist. Und wie wunderschön ist der eigene Text auf einer vorher weissen Seite? Buchstäblich etwas zu schaffen, was vorher noch nicht da war. Irres Gefühl. 

Screenshot von meinem Monitor mit Ulysses Editor. Hach, schön, ne? 


Und damit das irre Gefühl sich nicht plötzlich in irre Panik verwandelt, verbindet sich Ulysses mit iCloud und speichert den ganzen Spaß im gleichen Moment, in dem man ein neues Wort schreibt. Ich habe mir auch direkt die Ulysses App für mein iPhone geleistet, was ein paar mal ganz nützlich war, wenn mir unterwegs eine Idee gekommen ist.

11. Was in der Planung schon hakt, funktioniert auch in der Geschichte nicht.

Während ich im Oktober meine Geschichte geplant habe, war ich öfter mal faul. Es gab ein paar Szenen, bei denen ich keine Ahnung hatte, wie der jeweilige Charakter da wieder rauskommt, oder warum etwas genauso passiert ist wie es dort passiert oder warum das da jetzt Sinn macht. Manchmal hab ich mir dann gesagt: "Ach egal, das wird sich beim Schreiben schon herausstellen." Nope. An den Stellen, die mir schon bei der Planung Probleme gemacht haben, hab ich mich dann im November echt aufgehängt. Und das Problem war, dass ich während des NaNoWriMos keine Zeit hatte, den Plot nochmal zu überdenken. Es war zwar faszinierend und lehrreich und irgendwie auch heilsam, einfach über Plot Löcher hinwegzuschreiben, aber ich hätte es mir einfacher gemacht, wenn ich die entsprechende Vorarbeit besser gemacht hätte. (Das heisst übrigens nicht, das mir nicht während des Schreibens laufend neue Ideen gekommen sind. Die kamen aber vorzugsweise dann, wenn ich sowieso wusste,wo ich hinwill.)

11. Die Foren sind voller Problemlöser. Ich muss da nicht alleine durch.

Zeit ist beim NaNoWriMo ein knappes Gut, wenn man es nicht gerade schafft, sich den ganzen November freizunehmen - und wer schafft das schon? Am Anfang des Monats habe ich ein paar mal in den Foren gesurft und mich gefragt, ob die Leute die sich dort über mangelnde Zeit beschweren, nicht besser schreiben sollten. Dann hätten sie mehr Zeit?! Eigentlich ein No-Brainer. Dann hatte ich aber ca. Mitte November plötzlich ein Riesen Loch in meinem Plot, das mir während der Planung irgendwie entgangen war und erst da habe ich den wirklichen Vorteil der Foren erkannt. Man muss das nicht alles alleine durchziehen. Überall auf der Welt sitzen Leute, die genau das gleiche versuchen. Und sich gegenseitig helfen. Ich hatte, innerhalb von einem Tag nachdem ich mein Problem im "Plot Doctoring" Forum gepostet habe, so viele geniale Antworten, dass ich nicht nur meine eigentliche Frage, sondern gleich noch einige weitere Probleme in meinem Plot klären konnte. Im nächsten Jahr werde ich die Foren auf jeden Fall schon während der Vorbereitungszeit viel aktiver nutzen.

12. (Bonus) 

Ich habe einen Bachelor und einen Master Abschluss, in meinem Leben diverse Male vor großem Publikum gesprochen, mit fünf Jahren auf einer Bühne "Der Teufel und der junge Mann" von Paola (!) Playback gesungen und noch eine ganze Menge anderer Dinge vollbracht, für die ich mit mehr oder weniger Talent gesegnet war. Aber ich war noch NIE so stolz wie in dem Moment, als ich die verdammten 50.000 geknackt habe!!! 


Ich bin die Linke mit sehr viel Knie.
Meine Mutter sagt, ich war vorher aus lauter Nervosität drei Stunden lang im Kreis gelaufen. 


Und wie war's bei euch so? 


SaveSaveSaveSaveSaveSave

Donnerstag, 28. Mai 2015

3 Entscheidungen, die man nicht 3 Tage vor der Hochzeit treffen sollte!

Meine Lieben - ich habe vor 2 Wochen geheiratet! Im kleinen Rahmen, im Garten eines wunderschönen Klosters aus dem 12. Jahrhundert, hätte das Ganze kaum traumhafter und romantischer sein können. Und relativ unkompliziert war es noch dazu.



"Aber da spricht doch HOCHZEITSSTRESS aus deinem Titel!"

Achso, das. Kleine Fangfrage für alle, die diesen besonderen Tag noch vor sich haben: 

Welche drei Dinge solltet ihr nicht kurzfristig 3 Tage vor der Hochzeit entscheiden?


1. Ihr solltet nicht 3 Tage vor der Hochzeit entscheiden, eure Floristin zu feuern. (Wenn sie euch allerdings nach wochenlanger Absprache einen  Blumenvorschlag präsentiert, der aussieht wie von der Tankstelle, dafür aber mehrere Hundert Euro kosten soll, habt ihr eventuell keine andere Wahl).

2. Ihr solltet euch nicht 3 Tage vor der Hochzeit entscheiden, eure Hochzeitstorte selbst zu backen. (Wenn man aber doch unbedingt eine Lübecker Marzipan-Sahnetorte wollte, Niederegger sich jedoch weigert, diese zu liefern, weil sie "uns bei warmem Wetter manchmal schon im Tresen von einer auf die andere Minute umkippt, man eine Sahnetorte wirklich schlecht stapeln kann und Sie doch wohl an ihrem Hochzeitstag keine saure Sahnetorte mit mehreren Stöcken in die Tonne werfen wollen!" - hatte sie Recht! - man sich aber 3 Monate lang weigert andere Alternativen in Betracht zu ziehen, bleibt vielleicht auch hier keine andere Möglichkeit.)

3. Ihr solltet euch nicht 3 Tage vor der Hochzeit entscheiden, ein Open Air-Fotoalbum mit 140 Fotos aufzuhängen. (Zumindest nicht dann, wenn die Fotos noch nicht gedruckt sind, ihr nicht wisst, womit ihr sie aufhängen sollt. Aber auch hier hat man manchmal keine Alternative, weil... es einfach wunderschön aussieht! Ist dann halt Pech wenn dem Bräutigam die Idee erst so spät kommt.)

Entscheidet man sich, die obenstehenden Ratschläge nicht ernstzunehmen, kann auch die entspannteste, meisterhaft geplanteste Mini-Hochzeit noch kurz vorher in Stress ausarten - denn Blumen und Hochzeitstorten haben es nun mal so an sich, mit einer relativ kurzen Lebensspanne den Vorbereitungsprozess auf den Zeitraum direkt vor der Hochzeit festzulegen. Und lasst euch sagen: 

Das Brautpaar, auch wenn es das nicht glaubt, hat in den beiden Tagen vor der Hochzeit doch noch einige unerwartete Fragen zu klären, z.B.

  • "Sag mal Mila, wenn ihr direkt von hier in die Flitterwochen fahrt - wie bekommt ihr denn dann eigentlich die Geschenke nach Berlin?" ... Geschenke. Guck an. Irgendwie vergessen. Gott sei Dank haben sich 4 sehr liebe Menschen in ihrem Auto auf der Rückfahrt um ihre Koffer drumherum drapiert, um unsere Geschenke unterzubringen und hier abzuliefern. Danke!
  • "Schatz - wir stellen jetzt schon seit Wochen fleissig die Playlist zusammen, aber weisst du, was mir grad aufgefallen ist? WIR HABEN ÜBERHAUPT KEINEN HOCHZEITSTANZ!" Wenn das Hochzeitspaar leider nur Diskofox tanzen kann und davon auch nur ca. 3 Figuren ohne sich den Hals zu brechen, läuft das ganze im Normalfall auf eine Wolle Petri Nullnummer hinaus, bei der sich alle Gäste wünschen, die Feier hätte nach dem Kuchen aufgehört. ABER mein Freund wäre nicht mein Mann geworden, wenn er nicht einen absolut genialen Einfall aus dem Hut gezaubert hätte (Siehe unten, enjoy.) Das beste: Der Song ist nur 1:49 Minuten lang! Da kann man selbst mit 3 Diskofox Figuren so sehr punkten, dass die Verwandten hinterher ernsthaft denken, man könnte tanzen. Watt meinste, watt Mila DA lachen kann? 

  • Stellt euch folgende Situation vor: Das Buffet ist seit Wochen gebucht, ihr habt alles 500 mal durchkalkuliert und wisst ganz genau, es reicht DICKE für alle Gäste und das DREIFACH. Am Hochzeitsmorgen werdet ihr trotzdem mit folgendem Gedanken aufwachen: "Oh Gott, Oh Gott, Oh Gott, wir haben zu wenig KÄSEPLATTE für Abends bestellt, was ist, wenn die Party länger geht als geplant? Alle werden VERHUNGERN!!!" Wenn dann noch 3 km. entfernt ein Supermarkt ist, SCHEINT es eine gute Idee zu sein, noch mal kurz loszufahren und EIN BISSCHEN Käse und Trauben zu kaufen - just in case! LASST ES! Denn hier ist was passieren wird:
  • Ihr werdet viel zu viel kaufen, aber für 35 Personen scheinen euch Käse und Trauben im Wert von 50 Euro (!) in diesem Moment völlig angebracht. Zu wenig sogar... Vielleicht sollte ich nochmal rein...?
  • Euch wird, in dem Moment, als ihr euch auf den Rückweg machen wollt ("hat doch dicke geklappt, kann ich ja sogar noch frühstücken vor der Trauung...") DER AUTOSCHLÜSSEL ABBRECHEN! Jap, steht ihr da. Mit viel Glück und Gefriemel geht das Ding 20 Minuten später wieder rein und der Wagen wieder an, aber... lasst es.




Und ansonsten?


Alles wie am Schnürchen Baby! Wir komm ja schließlich aus Berlin, wa?!


Hier meine Tipps:


1. Blumendeko selbst pflücken


Im Frühling wachsen auf dem Land alle Blumen, die man für eine rustikale Tischdeko braucht. Einfach Bräutigam und Mutter am Tag vorher für ein paar Stunden losschicken während man selbst die Torte backt und hoffen, dass sie mit sowas zurückkommen, in 10facher Ausführung:


Die kleinen Fläschchen als Vasen hatten wir übrigens schon Wochen vorher ganz günstig auf dem Flohmarkt ergattert - von einem Pärchen, das in seiner Wohnung keinen Platz für ihre ganze Hochzeitsdeko mehr hatte! Ps: Meinen Brautstrauß hatte ich mir übrigens aus Berlin mitgebracht. 


2. Hochzeitstorte selbst backen


Da wir ja nur 35 Leute waren, ich aber trotzdem diverse Tanten engagiert hatte, je eine Torte mitzubringen, war eine 2 stöckige Hochzeitstorte für den Effekt völlig ausreichend. Und da ich AUF KEINEN FALL auf meine Marzipantorte verzichten wollte, hatte sich die Auswahl zur Tortendecke auch schnell festgelegt (Außerdem hasse ich Fondant! Ich habe noch keinen einzigen Menschen getroffen, der Fondant mag!). Bei den Rezepten habe ich mich, wie oft, blind auf die guten Bewertungen bei Chefkoch.de verlassen und für die untere Torte, die zum Stapeln etwas stabil sein musste, eine grandiose Möhrentorte gewählt (mit der Hälfte des im Rezept angegebenen Zuckers!) und für die obere eine Marzipan-Mohn-Apfelkompott-Sahnetorte, die viel einfacher war als sie klingt, bei der ich aber mindestens ein Drittel der Sahne weggelassen habe. Da ich mittlerweile einige Erfahrung im Marzipan-Ausrollen habe, hat auch der Belag funktioniert. Beste Entdeckung: Mit Pulver-Lebensmittelfarbe und ganz normalen Pinseln lässt sich eine Marzipandecke ganz einfach wie eine Leinwand bemalen. Man braucht dann noch eine sehr talentierte Mama, ein paar essbare Wiesenblumen, et voila!



3. Open Air Fotoalbum mit den schönsten Momenten aus der Beziehung vor der Hochzeit


Die Geschichte hat eigentlich am meisten Zeit gekostet, sah aber hinterher so toll aus und ist für Gäste, die sich nicht kennen, ein dermaßen gelungener Gesprächsaufhänger, dass ich so ein Open Air Album nur jedem empfehlen kann. (Und wenn man ein bisschen geschickter plant, lässt sich das ja wirklich unkompliziert schon Wochen im Voraus regeln!) Hätten wir die Idee schon früher gehabt, hätte ich die Fotos im Polaroid-Style bei Origrami bestellt (hier ein schöner Post von Stef von Magnoliaelectric zu Origrami-Bildern).


Ich war aber auch so super zufrieden, weil ich tatsächlich, mit unverschämtem Glück diesmal, 2 Tage vorher die schwarzen Herz-Wäschklammern bei Kik gefunden habe. Mit weißem Edding beschriftet sind sie perfekt als kleine Tafeln um die Momente auf den Fotos entsprechend zu betiteln.


... und der Käse?


Den haben wir, zusammen mit den 4 Kilo Trauben, nach der Feier im Kühlschrank gefunden.
Waren wohl doch alle satt geworden...



... und warum geht es gar nicht um Bücher?


Äh... der Titel zu diesem Post hieß im Original "Jane Austen ist das beste Mittel gegen Hochzeitsstress!" und sollte eine Rezension von Persuasion werden. (Ich hab wieder mit der 100Bücher-Liste angefangen, Hurra!) Nur dass die Einleitung zur Rezension auf einmal etwas...  überdimensional zu werden drohte. Beim nächsten Mal dann!


Samstag, 2. November 2013

The Horror after Halloween

Eine Woche lang sagte ich jeden Tag den gleichen Satz zu meinem Freund: "Du wir müssen unbedingt dran denken, dass wir für Donnerstag noch Süßigkeiten kaufen!" 

Letztes Jahr am 31.10. nämlich, es war der Tag nach dem Einzug in unserer neuen Wohnung und ich frisch aus Holland wieder in Deutschland angekommen, klingelte es gegen frühen Abend an der Tür. Nichtsahnend war ich dumm genug, sie zu öffnen, nur um mich in einer Horde kleiner Hexen und Gespenster wiederzufinden, die, lauthals "Süßes oder Saures!" kreischend, anscheinend während meiner Abwesenheit den Halloween-Brauch in Deutschland eingeführt hatten. (Vielleicht lag es auch daran, dass ich auf dem Land groß geworden bin, aber bei uns gab es das damals garantiert nicht nicht!) Ich konnte mich damals mit einer großen Packung Cola-Schnüre aus der Affäre retten, die ich glücklicherweise noch aus Holland mitgebracht hatte. Peinlich war's trotzdem. 

Wobei... wenn ich mich hiermit vergleiche, haben meine Cola-Schnüre wahrscheinlich eine  Auszeichnung verdient! (Gefunden bei Schlecky Silberstein und "Horror-Meldung des Tages")
Um nicht noch einmal ein rohes Ei an meiner Tür zu riskieren (in Berlin soll auch Zahnpasta an den Briefkästen sehr beliebt sein), plante ich also dieses Jahr schon großzügig eine Woche vorher ein, Süßigkeiten zu kaufen - und vergaß es prompt. 

Come Halloween Eve, 5:30 pm. Draußen schon gefühlte halb 10, da durch Zeitumstellung zappenduster, mein Freund und ich sitzen einträchtig nebeneinander am Tisch und starren romantisch jeder auf einen Computerbildschirm, als im Hausflur ein Riesengetrappel losgeht. Kurz gebe ich mich noch der Illusion hin, dass ein Kindergeburtstag gefeiert wird, bevor es schon in der ersten Etage klingelt und "Süßes oder Saures!" aus mindestens fünf aufgeregten kleinen Kinderkehlen gekreischt wird. Wir schrecken hoch und starren uns panisch an. 

WIR HABEN VERGESSEN, DIE VERDAMMTEN SÜßIGKEITEN ZU KAUFEN!!

Was es bedeutet, wenn Kinder ihre Halloween Süßigkeiten nicht bekommen, wissen wir ja nun spätestens seit Jimmy Kimmel.



Während der Mann des Hauses also, ganz wie es seiner Rolle gebührt, hektisch in der Wohnung herumrennt und alle Lichter ausknipst (man kommt sich dabei schon ein bisschen vor wie ein Verbrecher), schnappe ich mir Schlüssel und Geld und renne wie der Teufel. Zum nächsten Rewe. 

Zwei Tüten Maoam Mix und eine Tüte Nimm 2 später sehe ich mich einer Kassenschlange gegenüber, die meinen Freund noch zu mindestens weiteren 15 Minuten im Dunkeln verdammt. Ich ziehe die letzten Register: "Entschuldigen Sie, würden Sie mich vielleicht vorlassen? DIE STEHEN SCHON BEI UNS VOR DER TÜR!" Wahrscheinlich sind es weniger die Worte als vielmehr mein Tonfall, der die Leute schnell zur Seite springen lässt. Eventuell auch die Panik in meinen Augen und die Schweißperlen auf der Stirn. 

Vollkommen durchgeschwitzt komme ich zuhause an, drapiere Bonbons und Maoam in einem kleinen Koffer und schalte, diesmal voller Stolz und mit viel Zeremoniell alle Lichter wieder an. Sollen sie alle kommen!

Ich gebe zu, die Optik ist eher Oktoberfest als Halloween, aber wir wollen's ma nicht übertreiben, ne?
UND WATT IS? Das Foto ist von heute, ihr könnt es euch also denken.

EINMAL hat es noch geklingelt. Alle anderen Kinder waren wohl vorgewarnt, oder der Brauch hatte sich doch noch nicht so verbreitet wie ich gedacht hatte. Naja. Ich schaffte es, diese erfolglose Nacht ohne ein Halloween Trauma zu überstehen.

Das Halloween Trauma kam später.


Ladies and Gentleman, Mila Cooking Productions presents:

THE HORROR AFTER HALLOWEEN.

Wie die Geschichte begann ist hier nachzulesen. Jedenfalls kam ich mit diesem Kürbis nach Hause, der geneigte Leser erinnert sich.


So geschätzte 12 Kilo also, den kann man ja nicht einfach wegschmeißen, wenn die Kürbis-Dekorationszeit vorbei ist. Bei Mila Cooking Productions entsteht eine grandiose Idee: Kürbisbrötchen! Das in der Geschichte der Firma nie vorher mit Hefe gearbeitet wurde, wird bei Mila Cooking Productions nicht als Problem erkannt.

"Lassen sie den Teig in einer warmen Ecke eine Stunde ziehen, er geht dann noch auf." Die Vorstandsvorsitzende der Mila Cooking Productions nimmt dies als Hinweis, den genau 50 Minuten dauernden Zumba-Kurs wahrzunehmen, der im 5 Minuten entfernten Fitnessstudio stattfindet. Genau eine Stunde Zeit also. Glücklicherweise ist eine große Schale vorhanden, in der der Kürbisbrötchen-Teig gemütlich vor sich hin "gehen" kann.

Eine Stunde später.

Glücklich und ausgepowert kommt die Vorstandsvorsitzende der Mila Cooking Productions ins Firmengebäude. Schon beim Aufsperren der Tür breitet sich allerdings eine dunkle Vorahnung in ihr aus. Es liegt eine ominöse Stille über der Szenerie, fast als ob sich etwas darauf vorbereitet, anzugreifen.

Leise schleicht sich unsere Zumba-Tänzerin zur Küchentür, reisst sie mit einem Knall auf und

WAAAAAAAAAAAAAAAH!!!!!


Das Grauen hat einen neuen Namen.
Und es wächst.
Und wächst.
Und wächst.

Voller Trauer und Angst muss ich verkünden, dass der Kürbisbrötchenteig entkommen konnte. Die Vorstandsvorsitzende der Mila Cooking Productions hat sich mutig in den Kampf geschmissen, aber sie konnte ihn nicht besiegen.

Was habe ich da nur erschaffen?

Womöglich werden schon nächstes Jahr Kürbisse durch Berlins Straßen ziehen, auf der Suche nach Menschenköpfen, die sie aushöhlen und als Laterne in ihre Vorgärten stellen können. Nichts und niemand ist dabei vor dem Kürbisbrötchenteig sicher, denn er presst sich auch durch die kleinsten Ritzen, durch Dielenböden und sogar durch verriegelte Waschmaschinentüren. Dort lauert er auf seine Gelegenheit. SEID WACHSAM!

Es bleibt mir nur noch zu verkünden, dass die Vorgesetzte der Mila Cooking Productions zurückgetreten ist. Den Rest ihres Lebens wird sie mit der Suche nach einem Gegenmittel verbringen.



Montag, 23. September 2013

Dieses Kind hat mehr Glück als Verstand... und Kürbisse.

Ich weiß, es spricht die pure Artikulationsfähigkeit aus meiner Überschrift!

... aber beginnen wir mit den Kürbissen. Diesen hier:




Ich hab da mal ein bisschen den Herbst hereingelassen.

(Auf dem unteren Foto sieht man übrigens zusätzlich einen Venedig Schnappschuss meines Weltenbummler-Liebsten und im Rahmen eines meiner absoluten Lieblingsgedichte. Es stammt von Alexander McCall Smith, der mal über Edinburgh folgendes geschrieben hat:

"This is a city of shifting light
of changing skies
of sudden vistas.
So beautiful it breaks the heart
again and again."

Mit diesem Gedicht kann man übrigens auch den Rest der Highlands beschreiben, der einfach atemberaubend schön ist. Aber dazu ein andernmal mehr.)

Und das habt ihr euch bestimmt auch garnicht gefragt. "Wo hat die diese megacoolen, riesigen Kürbisse her?" werdet ihr euch gefragt haben. Tja, Erntezeit Kinder, ich sach's doch! Und rein zufällig ist der Nachbar von meiner Oma ein Gartengenie. Da wächst alles! (MELONEN UND PHYSALIS FRÜCHTE IN NORDRHEIN-WESTFALEN!! Ich konnt's nicht fassen.) Ich hätte das ja nichtmal mitbekommen, hätte meine Oma nicht zufällig beim Mittagessen erwähnt, dass der Herr Nachbar ihr einen Kürbis schenken wollte. "Aber wir essen den ja nicht, also was soll ich wohl damit?" 

DEKORIEREN! Mensch, Oma. 
Nachdem ich dann also diensteifrig die nachbarsche Anfrage auf mich übergehen lassen habe und meinen Bedarf an Kürbis angemeldet hatte, gab es nur noch eins zu klären:

"Mädchen, den kriegst du doch nie mit nach Berlin!" (mein Opa) 
"Ach natürlich, ich bin doch stark!" (totale Selbstüberschätzung. Da hatte ich den Kürbis aber auch noch nicht gesehen.)
Also Opa geschnappt und rüber zum Nachbarn. Kürbis so groß wie ein kleines Pferd. (Siehe Foto 1) 
Egal, krieg ich mit. 
"Gurken auch?". 
"Ja aber gerne. Könnte ich vielleicht auch eine von diesen wunderschönen Zuchini..." 
Geschmeichelter Nachbar. Ungläubiges Kopfschütteln von meinem Opa.

Das Ende der Geschichte?

Bombenfund in Hannover! 

So dass ein sehr lieber Mensch aus Berlin, der dort zufällig grad Fortbildung hatte, einen Tag früher ins Wochenende starten und mich auf einem Weg im Auto mitnehmen konnte. 
"Dieses Kind hat mehr Glück als Verstand." (Meine Oma). 

War auch nötig. Meine Ernte hatte nämlich inzwischen etwas den Rahmen des Überschaubaren gesprengt, da hätten die Leute im Zug auf jeden Fall was zum Gucken gehabt. Das Gelbe ist übrigens die Zuchini, die in etwa die Größe meines Unterschenkels aufweist.



Und die Moral von der Geschicht? Ablehne einen Kürbis nicht!

(Was mit Artikulationsfähigkeit beginnt, soll auch mit ihr enden.)

Ps: JA, das sind drei  verschiedene Vintage Filter-Fotos in einem einzigen Blogbeitrag. Und nein, sie passen tatsächlich nicht besonders gut zusammen, aber die App macht so Spaß und immer das gleiche wär ja langweilig.

Montag, 8. Juli 2013

"Hey Gandalf!" "What?"

Das mein Humor ein bisschen simpel gestrickt ist, wissen wir ja nun mittlerweile. Deshalb wird wohl niemand überrascht sein, dass die Game of Thrones Memes genau mein Metier sind. Deal with it. Hier meine Favoriten der Woche.

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Um den letzten lustig zu finden, muss man eventuell in Berlin leben.
Cheers!

Mittwoch, 29. Mai 2013

3 Dinge, die man auf einer Farm in Kalifornien lernen kann.

Von meinem Kalifornien Urlaub auf einer Lavendelfarm/ Ljewinschen Selbsterfahrungtrip auf Tolstoischer Basis habe ich euch ja im letzten Post berichtet. Aber so ein Abenteuerurlaub soll ja schliesslich nicht nur entspannend sondern auch lehrreich sein. Also bitte schön.

1. Moskitos und Hippies: Nicht kleinzukriegen.
  • Das Rollen, Trocknen, Aussortieren und Abpacken von Lavendel macht absolut entspannt. Es stört nichtmal mehr, dass man den ganzen Tag riecht wie Omas Seifenschale.
  • Das Einreiben mit Lavendelöl hält entgegen anderweitiger Versprechungen die Milliarden kalifornischer Moskitos nicht auf Abstand. Denen ist das Scheissegal, die stechen einfach in den cm Haut, den man vergessen hat, einzureiben.
  • Man kann Moskitos dagegen mit Raucherstäbchen etwas ausser Reichweite halten, muss dann allerdings in Kauf nehmen, dass man noch Stunden später riecht, wie ein kalifornischer Hippie.
  • Man sollte niemals kalifornische Hippies unterschätzen. Fragt man spaßeshalber eine 65jährige Amerikanerin, ob sie damals zufällig auf dem Woodstock Festival war, muss man damit rechnen, dass sie ja sagt. "Aber die meiste Zeit hatte ich nur Angst. Da waren ja alle auf Drogen und halbnackt."
Man kann mit Lavendel auch wunderbar Putzmittel herstellen.
Einfach ein Glas einfachen Haushaltessig mit den Teilen des Lavendels füllen,
die man nicht verarbeiten will (siehe links),
zwei Wochen in der Sonne stehen lassen... voila!

2. Das Leben auf dem Land hält unerwartete Beschäftigungsmöglichkeiten bereit.
  • Das Schlafen in einem Wohnwagen ohne Elektrizität und Licht und das gleichzeitige Fehlen jeglicher Ausflugspunkte in der näheren Umgebung führen zu einem leicht veränderten Tagesrhythmus (Bettgehzeit um neun, mit Weckerklingeln um sechs. Hallo Ferien.)
  • Während es draussen hell ist, gibt es allerdings ungeahnte Beschäftigungsmöglichkeiten, die ihrerseits Lektionen bereithalten:
  • Das Beginnen des täglichen Tagesablaufs mit einer Partie Rummykub fuehlt sich irgendwie seltsam an. Und ziemlich dekadent.
  • Auf einer selbstgemachten Bambusseifenkiste einen steilen Berg runterzufahren ist ziemlich gefährlich. Gerade bei der Unfähigkeit, dass Ding zu bremsen, sollte man darauf achten, dass rechts und links genug weiche Weizenfelder vorhanden sind, in denen man auch zwei Meter weit fliegen kann, ohne sich etwas zu brechen.
Nicht nur konnte man das Teil nicht stoppen -
wir hatten auch vergessen, dass der Wasserschlauch von der Lavendel-
spirale noch mitten auf dem Weg lag.

  • Ein spontaner "Drum-Circle" wahrend der Arbeitszeit, bei dem sechs Leute auf verschiedenen, über Jahre gesammelten Instrumenten herumjammen, kann zur Entdeckung nie vermuteter Talente fuhren. Oder zur Bestätigung unmusikalischer Veranlagungen.
  • Eine Biene die in eine Blume fliegt, kommt da nicht zwangsläufig nach ein paar Sekunden wieder raus. Es kann auch mal eine Minute dauern... oder fünf. 

3. Die Amerikaner sind wirklich so, wie man sie sich vorstellt.
  • Ein durchschnittlicher amerikanischer Kühlschrank hat ungefähr die Größe eines kleinen Autos. 
  • Man kann in Amerika 2 Wochen lang jeden Tag bei einer anderen Kette Burger essen und hat trotzdem noch nicht alle durch.
  • Das perfekte Truthahnrezept fur Thanksgiving ist streng gehütetes Geheimnis, dass nur an nette, ungefährliche, deutsche Mädchen weitergeben wird, die mit vertrauenerweckendem Augenaufschlag beteuern, dass sie es auch wirklich nicht weitererzählen.
  • Man kann nie zu viel Käse auf Essen tun. Käse macht alles besser. Auch Gemüse.
...auch wenn man auf einer Kräutertour Schnittlauchblüten serviert -
ordentlich Frischkäse sollte schon dabei sein!

Mittwoch, 15. Mai 2013

Guten Morgen Jetlag!

Soeben bin ich um 5:50 Uhr in Berlin neben einer halben Kartoffel aufgewacht. 


Nachdem ich meine Orientierungslosigkeit etwas überwunden hatte, fiel mir wieder ein, wie die Kartoffel in mein Bett gekommen sein könnte. Als ich es irgendwie geschafft hatte, mich tatsächlich gestern Abend nach deutscher Zeit schlafen zu legen, hat sich mitten in der Nacht mein Magen gemeldet mit der Ansage: "Geht's noch? Es ist schon lange Abendessenzeit in Amerika und ich hab seit Stunden nichts gegessen. Sieh zu!" Pflichtschuldigst schlafwandelte der Rest meines Körpers in die Küche um Kartoffeln zu kochen. Sobald sie fertig waren, konnte ich mich allerdings kaum noch auf den Beinen halten, schnappte mir die erstbeste Kartoffel und wankte zurück ins Bett... Anscheinend hat mein Magen nicht das letzte Wort behalten.

Was ich eigentlich sagen wollte: Ich bin wieder da! 
Nach einem genialen 3 wöchigen USA Urlaub melde ich mich zurück in der Bloggergemeinde. Geht's euch allen gut? Ich hab das Gefühl, ich war ewig weg. Berlin ist ja richtig hübsch im Frühling! Und da ist auf einmal ein riesiger Baum vor meinem Wohnzimmer. Ich hab den ja noch nie mit Blättern gesehen - er ist sehr hübsch. Allerdings ist mein Wohnzimmer jetzt deutlich dunkler als gewohnt. 

Oh Mann ich muss dringend was essen.

WO IST DIE KARTOFFEL HIN?

Sonntag, 7. April 2013

"Yeah, this is my life now. Hi Jack!"

Oh, ich LIEBE sie! Nach der grandiosen Verfilmung der Hunger Games kann wohl niemand mehr bezweifeln, dass Jennifer Lawrence die perfekte Besetzung für Katniss Everdeen ist. Und alleine dafür, dass sie es geschafft hat, einen der wichtigsten literarischen Charaktere der letzten Jahre - an alle Literaturkritiker: Diese Auffassung ist rein subjektiv und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit! - nicht zu verhunzen, hat sie schon meinen großen Respekt. Aber gestern beim Youtube klicken wurde mir das folgende Video vorgeschlagen und jetzt hab ich mich einfach rettungslos in Jennifer Lawrence verliebt.

Das Video ist bei einem Backstage Interview nach der Oscar Verleihung entstanden. Jennifer soll da eigentlich gerade was ganz anderes erzählen, als auf einmal Jack Nicholson vorbeikommt. Und wie verhält man sich als Hollywood Schauspielerin, wenn man gerade einen Oscar bekommen hat, und kurz danach einen Kollegen trifft, der von den Dingern schon drei Stück Zuhause rumstehen hat?

Zwei Möglichkeiten:
1. Man bleibt absolut souverän, grüßt ganz lässig und lässt die Welt wissen, das das kein großes Ding ist. Man gehört ja schließlich selber zu den Großen.
2. Man ist Jennifer Lawrence, die sympathischste, lustigste und coolste Schauspielerin unserer Generation. Und kriegt eine Herzattacke.




<3

Übrigens ist ihr Oscar Presse-Interview auch einfach nur grandios. Sie war nämlich auf dem Weg auf die Bühne über ihr Kleid gestolpert und hatte sich vor versammelter Mannschaft erst mal schön auf die Nase gelegt. Da die Presse  in solchen Fällen ja immer absolut durchdachte und der Situation vollkommen angemessene Fragen stellt, kam denn auch gleich die erste Intelligenzbestie mit dem Knaller:
 "Jennifer, was ist da auf der Treppe passiert? Und was hast du dabei empfunden?" (Ernsthaft.)

Jennifers Antwort: "Was meinen Sie damit, was ist da passiert? Schauen Sie sich mal mein Kleid an. Ich habe versucht, damit eine Treppe hochzugehen. Die Treppe war gewachst. Und was ich dabei gedacht habe? Ähm - ein böses Wort. Es beginnt mit F." 

GO JENNIFER! Du wirst noch ganz weit kommen!

Ps: Jennifer hatte sich übrigens damals für die Rolle der Bella Swan beworben, wurde aber abgelehnt. Was lernen wir daraus? Was dir heute wie ein Misserfolg erscheint, kann sich schon Morgen als absoluter Glückstreffer deines Lebens erweisen. (Oder anders ausgedrückt: Heute bist du vielleicht noch traurig, dass du den toten Typen, der dich gerne fressen würde, aber dir dafür so galant die Autotür aufhält, nicht bekommen hast. In ein paar Jahren wirst du evtl. Gott auf Knien dafür danken.)

Samstag, 9. Februar 2013

Neues aus der Reihe „Bloggen bildet“. Spanisch lernen mit Harry Potter (Kapitel 2).


Nachdem ich euch beim letzten Mal schon ausführlich erklärt habe, warum Bloggen bildet, steige ich nun gleich ohne viele Worte in unsere heutige magische Spanisch Lektion ein. Hier die erinnerungswürdigsten Sätze aus „Harry Potter y el prisionero de Azkaban“ – Kapitel 2.
„…die Polizei warnt die Bevölkerung. Black ist bewaffnet und äußerst gefährlich“. = Tenemos que advertir a los telespectadores die que Black va armado y es muy peligroso.“
“Ist doch nicht zu fassen!” bellte Onkel Vernon und starrte den Sprecher wütend an. „Du hast uns nicht gesagt wo dieser Verrückte ausgebrochen ist!“ Tante Petunia, wachsam und pferdegesichtig, wirbelte herum und schaute wachsam aus dem Küchenfenster. = „Un momento!“ ladro tío Vernon, mirando furioso al presentatdor – „no has dicho de dónde se ha escapade ese enfermo!” Tía Petunia, que era huesuda y tenía cara de caballo, se dio la vuelta y escudrinó por la ventana de la cocina.
Harry fiel schmerzhaft aus allen Wolken. „Tante Magda?“ sprudelte es aus ihm heraus. „D-die – die kommt doch nicht etwa zu uns?“ = Harry volvio de golpe a la realidad. „Tía Marge?“ – barbotó – No… no vendra aquí, verdad?“
„Und drittens“ sagte Onkel Vernon, die gemeinen kleinen Schweinsäuglein waren jetzt Schlitze in seinem großen purpurnen Gesicht „haben wir Magda gesagt, du würdest das St. Brutus-Sicherheitszentrum für unheilbar kriminelle Jungen besuchen.“ „Was?“, schrie Harry. = „Y tercero“ – siguió tío Vernon, casi cerrando los ojos pequenos y mezquinos, en medio de su rostro colorado, „le hemos dicho a Marge que acudos al Centro de Seguridad de San Bruto para Delinquentes Juveniles Incurables”. “Que?” grito Harry.
“Ripper kann ein wenig Tee aus meiner Tasse haben”. = „Ripper sorberá el té que se me derrame en el plato.“
„Machen sie in St. Brutus auch Gebrauch vom Rohrstock, Bursche?“ „Ähm-„ Onkel Vernon nickte hinter Tante Magdas Rücken. „Ja“ sagte Harry. Wenn schon, denn schon überlegte er sich und fügte hinzu „Tagein, tagaus“. = „Utilizan la vara en San Bruto, chico?“ „Bueeenoooooo…“ Tío Vernon asenía detrás de tía Marge. “Sí”, dijo Harry, y luego, pensando que era major hacer las cosas bien, anadió: “sin parar.”
“Nun ich will nichts gegen eure Familie sagen, Petunia, aber deine Schwester war ein faules Ei. Dann ist sie mit diesem Taugenichts abgehauen und was dabei herauskam sitzt hier vor uns.“ Harry starrte auf seinen Teller, ein merkwürdiges Klingeln in den Ohren. = „No digo nada contra tu familia, Petunia, pero tu hermana era la oveja negra. Y se escape con un patàn. Aquí tenemos el resultado.”. Harry miraba a su plato, sintiendo und extrno zumbido en las oìdos.
“Du bist ein unverschämter, undankbarer kleiner –“ Doch Tante Magda verstummte plötzlich. Sie schien vor unsäglicher Wut anzuschwellen, doch es nahm kein Ende. = „Eres un nino insolente, desagradecido y…“ Pero tía Marge se cortó en seco. Se hinchaba con una ira indescriptible… Pero la hinchazón no se detenía.
“Komm zurück! Komm rein und bring sie wieder in Ordnung!” = „VEN AQUÍ! REGRESA Y ARREGLA LO QUE HAS HECHO!“
“Sie hat verdient, was sie bekommen hat.” Er richtete seinen Zauberstab auf Onkel Vernon. „Und du bleibst mir vom Hals!“ = „Se merecía que le ha pasado.“ Harry sacó la varita magice y apuntó con ella a tío Vernon. “No te acerques.”
--- und so hätten wir dann auch einen der coolsten Abgänge aller Zeiten in einer kleinen Spanisch Lektion abgedeckt. Und falls ihr mal auf Malle ein Hotel ohne Pool und mit schlechter Sangria erwischen solltet: „Me voy! Ya he tenido bastante!“ bedeutet: „Ich gehe. Mir reicht’s!“

Donnerstag, 31. Januar 2013

„Harry, esto es un chivatoscopio”: Spanisch lernen mit Harry Potter



Als zweites Buch der „Bücher die man gelesen haben muss“-Challenge habe ich mich zu einem Harry Potter Teil drei Re-Read entschlossen. Bevor die letzten beiden Bände der Reihe herauskamen, war „Der Gefangene von Azkaban“ immer mein absoluter Lieblingsband und deswegen konnte ich das Buch auch schon mal halb auswendig mitsprechen. Damit es also nicht langweilig wird, habe ich mir mein altes spanisches Exemplar wieder aus dem Regal gekramt (das ich vor Jahren mal in einem Anfall von Lerneifer gekauft und nach ca. 20 Seiten nicht mehr angerührt habe).

Nachdem die spanische Übersetzung leider nicht so grandiose Wort- und Namens-Neuschöpfungen aufweist, wie die holländische (Wir erinnern uns an Ron Wemel und Hermelien Griffel: hier und hier) und mir deshalb die Möglichkeiten fehlen, mich darüber lustig zu machen, habe ich mir gedacht, wir tun mal alle was für unser Sprachtalent und lernen ein bisschen spanisch mit Harry Potter. Ihr seht: Bloggen bildet! Los geht es mit den erinnerungswürdigsten Sätzen des ersten Kapitels aus „Harry Potter y el prisionero de Azkaban“.

Harry Potter war in vielerlei Hinsicht ein höchst ungewöhnlicher Junge = Harry Potter era, en muchos sentidos, un muchacho differente.
Die Hexenverbrennung im vierzehnten Jahrhundert war vollkommen sinnlos. Erörtern Sie die These. = La inutilidad de la quema de brujas en el siglo XIV (die Spanier haben den Absatz mit „sinnlos“ und „erörtern“ irgendwie weggelassen.)
Tatsächlich kam Wendelin die Ulkige dermaßen auf den Geschmack, dass sie sich nicht weniger als siebenundvierzig mal in verschiedenen Verkleidungen fangen und verbrennen ließ. = A Wendelin la Hechicera le gustaba tanto ser quemada que se dejó capturer no menos de cuarenta y siete veces con distintos aspectos.
„Hallo? Hallo? Können Sie mich hören? Ich – möchte – Harry – Potter – sprechen!“ Ron schrie so laut, dass Onkel Vernon zusammenzuckte = „HOLA? HOLA? ME OYE? QUISIERA HABLAR CON HARRY POTTER!“ Ron daba tales gritos que tìo Vernon dio un salto. (Ja, das ist auch im Buch alles groß geschrieben.)
“Es gibt hier keinen Harry Potter! Ich weiß nicht, von welcher Schule Sie reden! Ich verbitte mir weitere Belästigungen! Und kommen sie ja nicht in die Nähe meiner Familie!“ = „AQUI NO VIVE NINGUN HARRY POTTER! NO SÉ DE QUE COLEGIO ME HABLA! NO VUELVA A LLAMAR AQUÌ! NO SE ACERCA A MI FAMILIA!”
Harry entdeckte die erste Geburtstagskarte seines Lebens – heraus fielen ein Brief und ein Zeitungsausschnitt: “Beamter des Zaubereiministeriums gewinnt großen Preis” = Harry descubrió la primera tarjeta de cumpleans de su vida. Cayeron dos trozos de papel: una carta y un recorte de periodico. „FUNCIONARIO DEL MINISTERIO DE MAGIA RECIBE EL GRAN PREMIO“ (Die Spanier mögen ihre Caps Lock Taste.)
„Harry, das ist ein Taschenspikoskop. Bill sagt es ist Plunder für Zauberturisten und man könnte sich nicht darauf verlassen weil es gestern Abend beim Essen ständig aufleuchtete. Aber er hat nicht bemerkt, dass Fred und George Käfer in seine Suppe gemischt haben.“ = Harry, esto es un chivatoscopio de bolsillo. Bill dice que no es más que una trampa para turistas magos, y que no funciona, porque la noche pasada estuvo todo la cena sin parar. Claro que él no sabia que Fred y George le habían echado escarabajos en la sopa.”
Sein Herz fing mächtig an zu hüpfen als er die Aufschrift entdeckte, die in silbernen Lettern gedruckt war: Besenpflege Set. „Mensch, Hermine!“ flüsterte Harry. =El corazón le dio un vuelco cuando vio las palabras estampadas en plata: EQUIPO DE MANTENIMIENTO DE ESCOBAS VOLADORAS. “Caramba, Hermione!” murmuró Harry.
Das Monsterbuch der Monster klappte seitlich über das Bett hinweg wie ein widerlicher Krebs. „Urrgh“ murmelte Harry. = El monstruoso libro de los monstruos se levantara sobe el lomo y escapara por la cama como si fuera un extrano cangrejo. „Oh… ah.“ Susurró Harry. (Man beachte: Der spanische Harry reagiert wesentlich weniger abwertend.)
In diesem Augenblick fühlte sich Harry Potter genau wie jeder andere – zum ersten Mal in seinem Leben einfach froh, dass er Geburtstag hatte. = En aquel momento Harry Potter se sintió como qualqier otro: contento, por primera vez en su vida, de que fuera su cumpleanos.

Klar soweit? Falls mal ein Harry Potter Theme Park in Spanien aufmacht, seid ihr nun bestens gerüstet. Das gibt’s in keinem Sprachführer! Bis zum Nächsten mal in unserer neuen Reihe: „Bloggen bildet!“

Hier geht es zu Teil 2
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