Freitag, 13. Januar 2012

[Themen-Challenge: Rache] 16) Der Graf von Monte Cristo (1844)

Dies ist mein erster Beitrag zu Neyashas Themen-Challenge zu "Liebe, Tod und Ehre" und zwar zum Thema "Rache". Ausserdem steht das Werk natuerlich auf der 100Buecher-Liste der "Best-loved Novels of all time" der BBC und zwar auf Platz 44.

Zur Story

Wir begegnen im Frankreich des fruehen 19. Jahrhunderts einem vielversprechenden jungen Mann, huebsch, erfolgreich, verliebt und beliebt. Sein Name ist Edmont Dantés und er ist kurz davor seine Traumfrau zu heiraten und trotz seiner jungen Jahre Kapitaen eines Schiffs zu werden. Doch dann geraet er unverschuldet in einen Komplott um die Rueckkehr Napoleons, angezetteltvon Maennern, die sich seine Freunde nennen, ihn aber aus Neid ins Gefaengnis bringen. Am Tage seiner Hochzeit, kurz vor dem Ja-Wort, wird er festgenommen und im "Chateu d'Ilf" in den tiefsten Kerker geworfen. Er weiss nicht, dass Jahre vergehen werden, bis er wieder das Tageslicht erblickt. Im Gefaengnis vertraut ihm ein Freund eine Schatzkarte an, sie planen auszubrechen und reich zu werden. Doch bevor es so weit kommen kann, stirbt der Freund. Edward gelingt eine spektakulaere Flucht und bald hat die Pariser Oberklasse ein neues Mitglied: Den geheimnisvollen Grafen von Monte Cristo, der so reich ist, dass niemand sich traut zu fragen, woher er eigentlich kommt. Edmond wird ohne Vorbehalt in die Reihe seiner alten Feinde aufgenommen, von denen niemand ahnt, dass er auf Rache schwoert.

Meine Meinung

Gestandene 900 Seiten hat das Ding. Die ersten 200 lesen sich auch schnuckelig weg, genauso wie letzten ca. 400. Allerdings sieht, wer rechnen kann, dass dazwischen 300 Seiten Zaehigkeit liegen, in die Dumas, aus einem sich mir nicht ganz leicht erschliessbaren Grund, eine Story gepackt hat, deren Charaktere kaum was mit der Geschichte zu tun haben. Laut Fachmann aus dem Vorwort handelt es sich hierbei um den "Italienischen Teil", der wohl nicht nur bei mir seine Wirkung verfehlt hat. Wer aber Lust auf Intrigen, Liebesschwuere und Abenteur zur Zeit Napoleons hat, der bekommt in diesem Buch (fast) alles, auf was er hoffen kann:

  • ein tugenhaftes Maedchen, arm aber wunderschoen
  • einen hinterhaeltigen Bankier, der die Seitenspruenge seiner Frau ignoriert, solange er gut daran verdient
  • noch ein tugendhaftes Maedchen, diesmal reich und wunderschoen
  • eine Hoehle, gefuellt mit Diamanten und den feinsten Delikatessen die man sich vorstellen kann. Und danach ein bisschen was zum Kiffen
  • eine Prinzessin aus dem Orient, in der Kindheit an Sklaven verkauft
  • eine Giftmischerin, die fuer ihren Sohn mordet
  • ein Sohn der fuer Geld seine Mutter ermordert
  • eine verbotene Liebe, die im Grab endet
  • ein drittes Maedchen, auch reich und wunderschoen, aber diesmal nicht ganz so tugendhaft
  • die Lebensgeschichte des Meisters der Diebe, von der kein Schwein weiss, was sie eigentlich in dem Buch zu suchen hat

Alles in allem hat mir das Buch, mal abgesehen von dem Kaugummi-Mittelteil, sehr gut gefallen. Edmond Dantés ist ein liebenswerter Hauptcharakter und es ist ein Jammer zu verfolgen, wie sich ueber ihm das Unheil zusammenbraut, ohne dass er etwas davon ahnt. Nach Jahren im Gefaengnis ist von dem charmanten jungen Mann von einst nichts mehr uebrig und der Verlust dieses Charakters ist fuer den Leser fast physisch zu spueren. Der Graf von Monte Cristo laesst sich nicht hinter die Karten blicken und sein Charakter ist so viel dunkler, dass er kaum noch zu erkennen ist. Dumas hat den Dreh der Geschichte meisterlich hinbekommen, indem wir Edmond quasi von hinten ueber die Schulter blicken, den Graf dann aber nur noch durch fremde Augen (die anderer Charaktere) zu sehen bekommen. Am Ende steht Edmond vor der Gewissensfrage, ob die Kinder seiner Feinde die Schuld ihrer Vaeter zu tragen haben und dieser Gewissenskonflikt zerbricht ihn fast. Meiner Meinung nach wird dieser Konflikt am Ende etwas ungeschickt und simpel geloest, aber wir sind schliesslich auch 200 Jahre vor unserer Zeit, als Rache noch ein verstaendlicher Instinkt war. Genauso wie Ehre uebrigens. Der gemeine junge Franzose der Oberklasse konnte es, geht es nach diesem Buch, anscheinend gar nicht erwarten, ehrenhaft im Duell zu sterben. Waehrend die junge Edeldame, tugendhaft und bleich, damit beschaeftigt war sich von ihren Eltern verheiraten oder wahlweise von der Stiefmutter vergiften zu lassen. Natuerlich wie sich das gehoert, ohne ein Wort der Klage. Emanzipation kann man Dumas eher nicht so nachsagen.

Fazit
Ich als Geschichtsfan habe die Hintergruende genossen, etwa wie Dumas nebenbei erwaehnt, dass es zu seiner Zeit ueblich war, in die Oper nur zum Tratschen zu kommen und deshalb erst nach dem ersten Akt. Politik interessiert mich nicht, daher hat  mich der Hintergrund um Napoleon eher genervt, aber als elementaren Teil der Geschichte sollte man davon mindestens ein bisschen Ahnung haben. Und ich habe mitgefiebert mit diesem unglueklichen, verlorenen, sinisteren Grafen von Monte Cristo, damit sich endlich wieder eine Spur Edmond zeigt. Ich wurde nicht enttauescht! Lesen. 300 Seiten ueberspringen. Weiterlesen!

Ps: Ich habe vergeblich nach einem Cover gesucht, auf dem der Graf einigermassen so aussieht, wie ich ihn mir vorstelle... allerdings habe ich immer nur im Wechsel Antonio Banderas und Gerard Depardieu bekommen. Weiss nicht - da halt ichs lieber mit Babyface da oben.

Donnerstag, 12. Januar 2012

Von Liebe Tod und Ehre - Neyashas Themen-Challenge

Da mein ganzer Blog ja eigentlich eine Einzelchallenge ist, hab ich bis jetzt noch nie bei einer Blogger-Challenge mitgemacht. Die aktuelle Themen-Challenge von Neyasha (mir haut's jedes mal den Explorer weg, wenn ich die Seite oeffnen will, aber ich verlink sie mal trotztem, vielleicht liegts an dem hollaendischen Uni PC vor dem ich grad sitze) hats mir aber angetan, denn sie passt ganz hervorragend in meine Liste! Fuer die Challenge sollen im Jahr 2012 mindestens 10 Romane aus 20 Themen gelesen werden. Das sollte doch wohl zu schaffen sein, hm? Alle Teilnehmer koennen eine Leseliste veroeffentlichen wenn sie moegen, muessen sich aber nicht dran halten. Mal schauen, ob ich noch eine mache, oder eher nach Laune gehe.

Die 20 Themen
  1. Abenteuer
  2. Aufstieg/Fall
  3. Das Böse oder Pakt mit dem Bösen/Teufel
  4. Ehre
  5. Familie
  6. Feindschaft/Rivalität
  7. Freundschaft
  8. Identität/Identitätssuche
  9. Kindheit
  10. Krieg
  11. Liebe
  12. Rache
  13. Rätsel
  14. Reise
  15. Schicksal/Prophezeiung
  16. Schuld
  17. Selbstverwirklichung
  18. Suche
  19. Tod
  20. Utopie/Dystopie 

Dienstag, 10. Januar 2012

Es steht ein Reh im Wald.

Na ist denn schon wieder Klausurenphase?! Sieht ganz so aus, wenn mein Gehirn das hier macht:
Es steht ein Reh im Wald.
Im Schnee.
Dem Reh ist kalt...
Oje.

Es knallt
vierundzwanzig mal.
Erscheinen tut 'ne Fee
und bald
traegt's Rehlein einen Schal.
Juche!
© Mila 


*Der Rumpelwicht ist nicht mein Eigentum und dient nur dem Ausdruck ausgedehnter Gehirnverwuseltheit.

Montag, 2. Januar 2012

[Blogparade] Zum Jahresende 2011…



Frohes neues Jahr alle zusammen! Pünktlich vor Blogparaden-Toreschluss auch von mir noch ein kleiner literarischer Jahresrückblick für 2011. Da ich eine heroische Weihnachtstour quer durch die halbe Welt hinter mir habe (es wollen ja auch alle besucht werden, wenn man schon mal im Lande ist!), hatte ich bis jetzt noch keine Zeit an der Blogparade von Buchsaiten teilzunehmen, obwohl sie schon ein paar mal in meiner Blogroll aufgetaucht ist. Nun sitze ich aber hier im verschneiten Norwegen, vor einem Fenster aus dem ich nicht gucken kann weil mindestens ein Meter Schnee davor liegt, mit einem Krampf im rechten Fuß von meinem ersten Versuch auf Skiern zu stehen. Der perfekte Zeitpunkt zum Bloggen also.
* Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat? (und Begründung)
Die Bücher von Gabriel García Marquez standen schon immer bei meine Mama im Regal und ich hab sie trotzdem nie gelesen. Irgendwie klangen die Titel "Hundert Jahre Einsamkeit" und "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" (Rezension) so voll schnarch. Und dann kam diese grandiose Liste und ENDLICH bin ich dann auch in den Genuss dieser lateinamerikanischen Schreibkunst gekommen. Wunderschön, atmosphärisch und romantisch. Und herrlich ironisch. Übrigens: ich hab den Film nie gesehen, aber als ich gerade die Bilder gegoogelt habe, war ich ganz platt, den genauso hatte ichs mir vorgestellt! 
* Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat? (und Begründung)
Tjaaa.. ich liebe ja Ken Follet! Deswegen hatte ich mir letztes Jahr zu Weihnachten dann "Sturz der Titanen" gewünscht, von dem ich mir sowas phänomenal geniales wie "Die Säulen der Erde" versprochen hatte. Mit ganz viel Spannung, Liebesdrama und Intrigen, eingewoben in einen geschichtlichen Hintergrund mit den passenden Menschen, Situationen und Eigenheiten dieser Zeit. Stattdessen... habe ich was bekommen, an das ich mich jetzt kaum noch erinnern kann. Bis jetzt habe ich noch für kein Follet Buch länger als 3 Tage gebraucht. Den Sturz der Titanen hab ich aber im Februar angefangen - und war erst Ende März durch. Das sich die Inhalte des Buches in meiner Erinnerung jetzt sogar gerade mit Tolstois "Krieg und Frieden" vermischen - an dem knappse ich nun seit Juni - ich glaub ich packs nicht mehr! - ist bezeichnend. Superviel Politik und für meinen Geschmack zu viele Figuren. Zum Ende hin wird´s dann spannend, als sich endlich die Geschichten der Figuren verweben, aber bis dahin dauert es einfach zu lange! Hier wusste ich manchmal nicht mal mehr, wer wer ist. Aber es handelt sich hier ja um eine Trilogie und jetzt wo ich die Figuren kenne, werde ich auf jeden Fall die Folgebände auch lesen. Das Buch zeigt auf jeden Fall eindrucksvoll, durch welche Machenschaften, Verhängnisse und Verwicklungen der erste Weltkrieg anfing. Der Satz der mir aus diesem Buch seltsamerweise am deutlichsten im Gedächtnis geblieben ist, wird von einem Russen gesprochen, der zum ersten Weltkrieg in Deutschland einmaschiert: "Wie sollen wir gegen ein Volk kämpfen, das so organisiert ist, dass sogar die Schweineställe aus Stein gebaut sind?"


Und ich muss hier noch schnell "Uglies" von Scott Westerfeld erwähnen. Das war allerdings nicht nur enttäuschend, sondern die totale Pleite! (Rezension)
* Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Mein Lieblingsbuch 2011 war "Wuthering Heights" (Sturmhöhe), deswegen ist dessen Autorin Emily Bronte wohl meine - äh-  "Neu"-Entdeckung. Das ist dann auch der Nachteil wenn sich in Bücher aus dem 19. Jahrhundert verknallt: meine persönliche Autoren-Neuentdeckung hat leider nur ein Buch geschrieben und ist dann gestorben. Schade. 
* Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?
Eindeutig die Panem-Reihe im Dreier Schober! Zwar kein Cover, aber wie geil sieht das denn aus?! Schade, dass es nur die deutsche Version in dem schönen Schober gibt, damit hätten wir dann wohl das erste Buch aller Zeiten, bei dem sowohl das Aussehen als auch der Titel der deutschen Übersetzung besser sind als das Original!
* Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2012 lesen und warum?
"Die Auswahl" von Allie Condy will ich unbedingt lesen! Und zwar weil Paralauscher ne klasse Rezension dazu geschrieben hat!
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