Montag, 15. August 2011

Uglies von Scott Westerfeld, 2005


Zur Story:
Die Geschichte von Tally ist eine gar nicht so schrecklich unwahrscheinliche Zukunftversion: Tally wartet sehnsüchtig auf ihren 16. Geburtstag, an dem sie endlich von ihrem hässlichen "Ugly"-Dasein befreit wird. Zum 16. Geburtstag bekommt hier nämlich jeder Jugendliche eine Schönheits-OP und darf aus dem Stadtteil in dem die Kinder wohnen, in die Partymeile "Prettytown" ziehen. Als jedoch ihre beste Freundin Shay sich weigert, die Operation durchführen zu lassen und flüchtet, verändern sich Tallys Leben und ihre Sicht auf die Dinge schneller als sie sich das vorstellen kann und sie kommt ein paar dunklen Geheimnissen auf die Spur...

Meine Meinung:
Die Bücher sind ein typischer Fall von "Gute Idee, schlechte Umsetzung". Mir kommt es vor, als wollte der Autor möglichst schnell eine Jugendreihe schreiben, dass sich möglichst gut verkauft. Da im Moment Dystopien bei Jugendlichen und Erwachsenen extrem beliebt sind,(wie die "Hunger Games"-Reihe beweist - übrigens eine geniale Serie!), scheint dem Autor hier eine großartige Idee gekommen zu sein. So baut er denn auch vielseitige aktuell relevante Themen mit ein - Umweltschutz, Schönheitswahn, Gehirnwäsche. Die Bücher müssten hochspannend sein.
Sie sind es nicht.
Westerfeld schafft es weder, sich in die Gedankengänge einer 16-jährigen hineinzuversetzen, noch gibt er seiner Geschichte einen logischen Handlungsverlauf. Die Hauptfiguren ändern nicht nur ihre Ansichten sondern auch -ganz schlimm!- ihre Charaktereigenschaften. Und zwar so schnell dass man mit den Ohren schlackert. Freundschaften und große Lieben entstehen und zerreißen wie am Laufband und Momente, die in anderen Büchern zu Weinkrämpfen oder Lachanfällen führen müssten, verleiten hier noch nicht einmal zu einem Wimpernzucken. Genau wie den Charakteren fehlt es auch den Szenen an Tiefgang, es fehlt vollkommen die Identifikation des Lesers mit dem Buch. Die Geschichte berührt nicht, sie nervt eher.

In bester Fantasy-Manier erfindet Westerfeld eigene Ausdrücke und eigene Gewohnheiten für seine Figuren, zu der dann natürlich auch ein spezielles Hintergrund Bucht veröffentlicht. Leider sind diese Wörter selbst auf Englisch so blöde, dass ich mich frage, wie eine 16-jährige es aushält ständig "bubbly" zu sein. Besonders frustrierend finde ich aber die seitenlangen Beschreibungen von Tallys Flugboard-Ausflügen.(So etwas wie ein Super-Skateboard, das fliegen kann.) Ja, sie ist ein Crack auf dem Board und ja, viele Kids finden skateboarden total cool - das heißt aber nicht, dass sie es genauso genießen, stundenlang zu lesen, wie Tally Loopings fährt, von ihrem Board fällt und wieder aufsteht. Oder doch? Vielleicht bin ich auch einfach zu alt für das Buch. An meine erste große Liebe kann ich mich aber auch mit 23 noch gut erinnern: Ich war in der Grundschule und habe mich Monate lang nicht getraut meinen Schwarm anzusprechen, bis er schließlich eine neue Freundin hatte. Langweilig? Nicht so langweilig, wie die erste Nacht, die Tally mit ihrer "großen Liebe" verbringt!

Mein Fazit:
Nach dieser Rezension mag es überraschen, dass ich trotzdem bis zum Ende des dritten Bandes gekommen bin, bevor ich die Reihe weiter verschenkt habe. Aber wie gesagt: Westerfelds Ideen sind gut. Ich wollte wirklich wissen, was er sich für seine Charaktere weiter vorgestellt hat und wie die Welt am Schluss aussieht. Und ich werde nicht enttäuscht: Auch die beiden Nachfolgerbände von "Uglies" bieten enormes Potenzial - Schade nur, dass Westerfeld es nicht ausnutzt! 

Kommentare:

  1. Oh je, das motiviert mich nicht gerade, mir das Buch doch mal vorzunehmen. Es steht schon eine Weile ungelesen in meinem Regal.
    Als Dystopie-Fan finde ich es natürlich klasse, dass gerade so viele Neuerscheinungen rauskommen, aber die Qualität scheint schon drunter zu leiden. Kennst du schon die Bücher von Gemma Malley? Ich habe bisher erst den ersten Teil gelesen ("The Declaration", dt. "Der Pakt"), war aber sehr begeistert. Das Buch ist bereits vor dem großen Hype auf dem Markt gekommen, damals aber ziemlich untergegangen.

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  2. Gibt es die Reihe nicht schon länger? Ich meine, ich hätte den ersten Band schon vor einigen Jahren gelesen, sodass man dem Autoren zumindest nicht vorwerfen kann, auf den fahrenden Zug aufgesprungen zu sein...?

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  3. @ tinteimblut: seit 2005 gibts die Reihe. Hast also Recht. Ich kann zwar nicht genau sagen, wann dieser Dystoipien Hype angefangen hat, aber da Panem 2008 rausgekommon ist und zumindest fuer mich den Anfang signalisiert, kann man ihm das tatsaechlich nicht vorwerfen. Macht das Buch leider auch nicht besser :P

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  4. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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