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Donnerstag, 17. Juli 2014

Verbrennt mich!

Im Spätsommer fliege ich nach New York und natürlich läuft mein Reisepass ganz pünktlich kurz vorher ab. Derartige Sachverhalte erschließen sich mir vorzugsweise am allerletzten Tag, an dem es überhaupt noch möglich ist, einen neuen Pass zu beantragen. Hat ja 4 Wochen Bearbeitungszeit der ganze Spaß. 
Erstaunlicherweise bekam ich noch sehr kurzfristig einen der rar gesäten Termine im Bürgeramt und musste auch tatsächlich nur eine knappe Stunde länger warten, als auf dem Terminschein angegeben. 

Dafür habe ich nun das hässlichste Passfoto aller Zeiten, weil mir auch das erst kurz vorher noch siedendheiß einfiel. In der Information saß zum Glück ein ganz liebenswürdiger uralter Mann, der mir, als ich nach einem Passfotoautomaten fragte, lächelnd den Weg wies: "Da auf dem Parkplatz um die Ecke steht ein Container, da sitzt ein Fotograf drin". Was ich für altersbedingtes Technikunverständnis gehalten hatte, stellte sich tatsächlich als genau das heraus: Ein Container mit einem Fotograf drin. Ein wirklich hässlicher Container um genau zu sein, mit einem sehr netten Fotografen, der mich nichtsdestotrotz etwas skeptisch ansah. Es waren heute 30 Grad in Berlin, ich kam von der Arbeit, war klatschnass geschwitzt und völlig ungeschminkt. "Na hier isn Tuch, wischen 'se sich ma dit jesicht ab, wa?". Bombenfoto, könnt ihr euch ja denken, WA?

Das Kreuzberger Bürgerbüro an sich ist circa ganz genau so, wie jedes andere Bürgerbüro in Deutschland: grau, verstaubt und trübe. Umso überraschter war ich, im zweiten Stock in eine wirklich gute Ausstellung zu laufen. 



Mit sehr gefühlvollen, dabei aber einprägsamen und klaren, oft scharfen Worten stellt Autor Volker Weidermann in dieser Ausstellung einige der Autoren vor, deren Bücher bei der Bücherverbrennung 1933 von Studenten verbrannt wurden. 

Die Nazis waren nicht einmal 4 Monate an der Macht, als in Deutschland im Mai 1933 die Bücher "wider den undeutschen Geist" brannten. Was ich bis heute nicht wusste und als ein Schock für mich kam war, dass die Nacht der Bücherverbrennung nicht einmal eine von den Machthabern der Diktatur angeordnete Geschichte war. Das sehr professionell aufgezogene Ereignis wurde von der Deutschen Studentenschaft inszeniert und durchgeführt, in 22 deutschen Universitätsstätten und ohne erkennbaren Widerstand nur Monate nach der Machtergreifung der Nazis! Deutschland schmiss seine besten Autoren ins Feuer und mit ihnen einige Talente, die gerade erst am Anfang ihrer Karriere standen. Was für eine Tragödie und was für ein dunkles Zeichen. Ich habe es schon mal gesagt, ich sage es wieder: Wenn Studenten anfangen Bücher zu verbrennen, ist ein Land verloren.

Werke einiger meiner liebsten Autoren wanderten ins Feuer: Brecht, Tucholsky, Ringelnatz, alle gingen in Flammen auf. Und doch verfehlten die Nazis ihr Ziel: Die drei Autoren verließen Deutschland, verlißen auch die Welt, Tucholsky und Ringelnatz schon kurze Zeit später, doch ihre Werke starben nie. Sie sind unvergessen und werden heute in Deutschland wieder so sehr geliebt, wie sie es verdient haben.

Joachim Ringelnatz

Und ein Absatz dieser Ausstellung hat mich heute auf eine Idee gebracht. Es war Oskar Maria Graf, der feststellte, dass nur einige seiner Werke auf dem "Scheiterhaufen der Anständigen" gelandet waren und nun forderte: "Verbrennt mich!" Er hatte erkannt, dass die Werke, die von den Nazis verbrannt wurden, zum Besten gehörten, was Deutschland zu bieten hatte.


Und da wird es doch mal wieder Zeit für eine Challenge, meine Lieben. 2015 würde ich gerne eine "Burned Books"- Challenge starten, mit Werken, die von den Nazis verbrannt wurden. Wieviele davon in dem Jahr gelesen werden sollen, das weiss ich noch nicht ganz genau. Ich freue mich auf Vorschläge. Bei Interesse wisst ihr ja, wie ihr mich erreicht. Ich poste zum Jahresende natürlich auch noch eine Erinnerung, ein bisschen Zeit ist ja noch. (Wobei die Zeit in diesem Jahr dermaßen rennt, dass ich es kaum glauben kann. 10 Blogposts in 7 Monaten. Meine Güte, das muss aber wieder besser werden.)

Samstag, 23. November 2013

Berlin is CATCHING FIRE - die besten Film-Szenen

Alle, die sich weniger für Stars in Berlin und mehr für die Verfilmung interessieren, scrollen am Besten gleich bis zur ersten Überschrift weiter.

Ich arbeite in Friedrichshain und wohne in Friedenau. Wer sich in Berlin ein bisschen auskennt, der wird messerscharf darauf schließen, dass ich  für meinen Arbeitsweg jeden Tag durch Berlin Mitte fahre. Um euch noch eine etwas genauere Vorstellung zu geben: ich fahre auf meinem Arbeitsweg - den ich täglich, 13 km hin, 13 km zurück, mit dem Fahrrad zurücklege - jeden Tag am Potsdamer Platz vorbei.

Der Potsdamer Platz, das werden auch Leute wissen, die sich in Berlin nicht auskennen, ist der PLACE TO BE um Stars zu treffen... zumindest wenn man 14 Jahre alt ist, kein Problem damit hat, stundenlang mit 100 anderen kreischenden Teenies in einer Schlange zu stehen und fast von der drängelnden Menge zu Hackfleisch verarbeitet zu werden, sobald sich tatsächlich ein Fitzelchen Prominenz irgendwo zeigt.

Ich habe das schon öfter miterlebt. Vor einigen Wochen war ich Mittags mit einer Freundin im Vapiano am Potsdamer Platz verabredet. Das Restaurant liegt ziemlich direkt neben dem Ritz Carlton, der Lieblings-Bleibe internationaler High Society, die sich in unser bescheidenes Städtchen verirren. Schon auf dem Weg dorthin hatte ich 10 Minuten Verzögerung, weil plötzlich eine Horde von Polizeimotorrädern die Straße flutete, alle grünen Ampeln blockierte und die Straße sperrte für den nachfolgenden Tross an schwarzen Limousinen, der mit verdunkelten Fenstern Richtung Potsdamer Platz unterwegs war. Ich vermutete ranghohe Poilitiker im Inhalt der Limousinen und beschäftigte mich nicht weiter damit. Nach dem Essen wollte ich zu meinem Fahrrad, dass ich kurz vorm Sony Center abgeschlossen hatte - und sah mich plötzlich einem Auflauf aufgeregter Teenager gegenüber, der sich während meiner Mittagspause zwischen mir und meinem Fahrrad manifestiert hatte. Sie alle starrten mit großen Augen auf die Tür des Ritz Carlton. Ich wollte  mich gerade erkundigen, wer denn da so sehnsüchtig erwartet wurde, als sich folgende Szene abspielte:

Ein junges Mädchen, vielleicht 12 Jahre alt, stemmte sich aus der ersten Reihe gegen die Menge und sagte, als sie ihre Mutter weiter hinten erreichte: "Du Mama, ich glaube wir können wieder gehen, Lady Gaga kommt wohl erst heute Abend um 6 wieder raus." Die Mutter wollte gerade antworten, als der vollkommen aufgelöste Vater angerannt kam und fassungslos keuchte "Was machst du denn da? Warum gibst du unseren Platz auf??" Ungemein vernünftig, wie ich fand, antwortete das Mädchen darauf, dass es ja keinen Sinn mache, 5 Stunden lang vor dem Hotel auf Lady Gaga zu warten. "Die kommt bestimmt eh nur raus und steigt wieder ins Auto." Diese Argumentation erschloss sich dem Vater durchaus als nicht so sinnvoll wie sie mir vorkam und er brachte nur ein entmutigtes "Aber wir waren in der ersten Reihe!" heraus.

Ich nun, meinerseits vollkommen unbeeindruckt von dieser hohen Prominzenz - ich würde Lady Gaga garnicht erkennen - konnte das Familiendrama leider nicht weiter beobachten, da ich mich zu meinem Fahrrad durchkämpfen musste. "So eine Hysterie, nur wegen einem kurzen Blick auf einen Star!" dachte ich noch überheblich - nur um mich im gleichen Moment vor einem großen Banner wiederzufinden, das die Premiere von THE HUNGER GAMES - CATCHING FIRE im Sony Center Berlin am 12.11.2013 ankündigte. MIT ALLEN STARS!! Ich bin ja wirklich nicht leicht zu beeindrucken, aber meine persönliche Lieblings-Oscar Gewinnerin Jennifer Lawrence hätte ich doch gern mal aus der Nähe gesehen. Es dauerte keine Sekunde und mein Gehirn hatte sich in das eines Teenagers verwandelt. Ich Ich wollte unbedingt Karten haben. Keine Chance natürlich, die Dinger waren natürlich innerhalb von 2 Minuten ausverkauft. 

Ich war zwar kurz enttäuscht, vergaß die ganze Sache aber dann so schnell und so effektiv wieder, dass mir tatsächlich folgendes passiert ist: Am 12.11., pünktlich zu Premierenbeginn, fahre ich nach Feierabend direkt am Sonycenter vorbei. Es ist knallvoll, überall stehen Kinder mit Schildern - und ich ich IDIOT fahre einfach weiter. An die Premiere und meine ursprüngliche Aufregung habe ich mich erst wieder erinnert, als ich ein paar Tage später folgende Aufnahmen sah:



Schade. Aber es war ja offensichtlich sowieso kein Durchkommen, wahrscheinlich hatten sich auch irgendwelche Väter mit ihren Kindern schon Morgens um 6 strategisch in der ersten Reihe positioniert. Um mich für mein eigenes Versäumnis zu entschädigen, besorgte ich uns dafür direkt Karten für den ersten Spieltag und deswegen saßen wir dann am Donnerstag um 19 Uhr endlich glücklich und zufrieden und für den unschlagbar günstigen regulären Preis von 11,50 € PRO KARTE (Hab ich nicht mal irgendwann 5 Mark für eine Kinokarte bezahlt? Ich bin doch noch gar nicht so alt!) und OHNE POPCORN (die kleinste Portion kostet 5 € - HALLO?!) in ebendiesem Sony Center Cinestar. Das ist leider, trotz der crazy Preise, unser Lieblingskino, da fast alle Filme ohne Untertitel in der Originalfassung laufen.

Catching Fire - Der beste Film des Jahres

Was soll ich sagen, Kinder? Der Film ist unglaublich gut! Ich hatte ja schon am ersten Teil wenig auszusetzen, wobei mein Freund, der damals die Bücher noch nicht kannte, viel nicht verstanden hat. Aber Catching Fire ist von der ersten bis zur letzten Sekunde - und wegen des grandiosen Soundtracks noch bis lange nach dem Abspann - der definitiv beste Film, den ich diese Jahr gesehen habe. Ich habe mit Absicht das Buch nicht noch einmal gelesen bevor wir ins Kino gegangen sind und deswegen ist mir nicht klar, welche Szenen geändert oder weggelassen wurden - vom Gefühl her sind aber aber sehr wenige. Meine Lieblings-Szenen waren jedenfalls im Film die gleichen wie im Buch und so großartig umgesetzt, dass ich Rotz und Wasser geheult und am ganzen Körper Gänsehaut hatte.

Die besten Film-Szenen
  • der Moment als Katniss und Peeta auf ihrer Sieger Tour den Familien von Thresh und Rue gegenüberstehen und Peeta die Karte mit der vorgeschriebenen Rede sinken lässt
  • der alte Mann, der danach die Finger zum Gruß hebt und Rues Melodie pfeift
  • President Snow, dieses kleine Kopfschütteln in Katniss Richtung, während sie auf dem Empfang in Panem sind
  • Prim, die ihrer Mutter ruhig die Spritze aus den Fingern nimmt um mit ruhiger Hand Gale die Betäubung zu spritzen
  • Effie und Katniss, die sich in die Augen schauen, während Effie die einzige Karte aus der Glaskugel der Zeihung vorliest
  • die Einfahrt in die Arena, die unnachgiebige, stolze Position von Katniss und Peeta, die flammenden Kleider, The Girl on Fire!
  • Katniss, die während der Bewertung das Bild von Rue betrachtet, das Peeta auf den Boden gemalt hat
  • Katniss, die von President Snow gezwungen wird auf der Bühne ein Hochzeitskleid zu tragen, sich beginnt, darin zu drehen und plötzlich als Mockingjay dasteht. (Die Szene hat mir schon im Trailer Gänsehaut gemacht) Die nachfolgende Stille im Publikum.
  • die Tribute, die sich während der Life-Übertragung vor ganz Panem auf der Bühne an den Händen fassen und auch noch nach der hektischen Verdunkelung als geschlossene Einheit erkennbar sind
  • die Szene, als Johanna sich im Fahrstuhl von Peeta das Kleid ausziehen lässt und dann nackt dasteht - Katniss` Gesichtsausdruck, der in diese ganze Katastrophenstimmung wieder einen Hauch Leichtigkeit bringt
  • die Szene - oh Gott - als Mags freiwillig in den Giftnebel läuft, um die anderen zu retten
  • Katniss, als sie in der Arena denkt, Peeta ist tot 
  • und die letzten Minuten
  • die letzten Sekunden
  • die letzte Sekunde
  • Rache.
Ich beneide diejenigen von euch, die den Film noch vor sich haben, ich würde ihn am Liebsten gleich nochmal sehen. Hier noch ein fantastischer Trailer. Viel Spaß.



und der wunderschöne Titelsong: Atlas von Coldplay:

Samstag, 2. November 2013

The Horror after Halloween

Eine Woche lang sagte ich jeden Tag den gleichen Satz zu meinem Freund: "Du wir müssen unbedingt dran denken, dass wir für Donnerstag noch Süßigkeiten kaufen!" 

Letztes Jahr am 31.10. nämlich, es war der Tag nach dem Einzug in unserer neuen Wohnung und ich frisch aus Holland wieder in Deutschland angekommen, klingelte es gegen frühen Abend an der Tür. Nichtsahnend war ich dumm genug, sie zu öffnen, nur um mich in einer Horde kleiner Hexen und Gespenster wiederzufinden, die, lauthals "Süßes oder Saures!" kreischend, anscheinend während meiner Abwesenheit den Halloween-Brauch in Deutschland eingeführt hatten. (Vielleicht lag es auch daran, dass ich auf dem Land groß geworden bin, aber bei uns gab es das damals garantiert nicht nicht!) Ich konnte mich damals mit einer großen Packung Cola-Schnüre aus der Affäre retten, die ich glücklicherweise noch aus Holland mitgebracht hatte. Peinlich war's trotzdem. 

Wobei... wenn ich mich hiermit vergleiche, haben meine Cola-Schnüre wahrscheinlich eine  Auszeichnung verdient! (Gefunden bei Schlecky Silberstein und "Horror-Meldung des Tages")
Um nicht noch einmal ein rohes Ei an meiner Tür zu riskieren (in Berlin soll auch Zahnpasta an den Briefkästen sehr beliebt sein), plante ich also dieses Jahr schon großzügig eine Woche vorher ein, Süßigkeiten zu kaufen - und vergaß es prompt. 

Come Halloween Eve, 5:30 pm. Draußen schon gefühlte halb 10, da durch Zeitumstellung zappenduster, mein Freund und ich sitzen einträchtig nebeneinander am Tisch und starren romantisch jeder auf einen Computerbildschirm, als im Hausflur ein Riesengetrappel losgeht. Kurz gebe ich mich noch der Illusion hin, dass ein Kindergeburtstag gefeiert wird, bevor es schon in der ersten Etage klingelt und "Süßes oder Saures!" aus mindestens fünf aufgeregten kleinen Kinderkehlen gekreischt wird. Wir schrecken hoch und starren uns panisch an. 

WIR HABEN VERGESSEN, DIE VERDAMMTEN SÜßIGKEITEN ZU KAUFEN!!

Was es bedeutet, wenn Kinder ihre Halloween Süßigkeiten nicht bekommen, wissen wir ja nun spätestens seit Jimmy Kimmel.



Während der Mann des Hauses also, ganz wie es seiner Rolle gebührt, hektisch in der Wohnung herumrennt und alle Lichter ausknipst (man kommt sich dabei schon ein bisschen vor wie ein Verbrecher), schnappe ich mir Schlüssel und Geld und renne wie der Teufel. Zum nächsten Rewe. 

Zwei Tüten Maoam Mix und eine Tüte Nimm 2 später sehe ich mich einer Kassenschlange gegenüber, die meinen Freund noch zu mindestens weiteren 15 Minuten im Dunkeln verdammt. Ich ziehe die letzten Register: "Entschuldigen Sie, würden Sie mich vielleicht vorlassen? DIE STEHEN SCHON BEI UNS VOR DER TÜR!" Wahrscheinlich sind es weniger die Worte als vielmehr mein Tonfall, der die Leute schnell zur Seite springen lässt. Eventuell auch die Panik in meinen Augen und die Schweißperlen auf der Stirn. 

Vollkommen durchgeschwitzt komme ich zuhause an, drapiere Bonbons und Maoam in einem kleinen Koffer und schalte, diesmal voller Stolz und mit viel Zeremoniell alle Lichter wieder an. Sollen sie alle kommen!

Ich gebe zu, die Optik ist eher Oktoberfest als Halloween, aber wir wollen's ma nicht übertreiben, ne?
UND WATT IS? Das Foto ist von heute, ihr könnt es euch also denken.

EINMAL hat es noch geklingelt. Alle anderen Kinder waren wohl vorgewarnt, oder der Brauch hatte sich doch noch nicht so verbreitet wie ich gedacht hatte. Naja. Ich schaffte es, diese erfolglose Nacht ohne ein Halloween Trauma zu überstehen.

Das Halloween Trauma kam später.


Ladies and Gentleman, Mila Cooking Productions presents:

THE HORROR AFTER HALLOWEEN.

Wie die Geschichte begann ist hier nachzulesen. Jedenfalls kam ich mit diesem Kürbis nach Hause, der geneigte Leser erinnert sich.


So geschätzte 12 Kilo also, den kann man ja nicht einfach wegschmeißen, wenn die Kürbis-Dekorationszeit vorbei ist. Bei Mila Cooking Productions entsteht eine grandiose Idee: Kürbisbrötchen! Das in der Geschichte der Firma nie vorher mit Hefe gearbeitet wurde, wird bei Mila Cooking Productions nicht als Problem erkannt.

"Lassen sie den Teig in einer warmen Ecke eine Stunde ziehen, er geht dann noch auf." Die Vorstandsvorsitzende der Mila Cooking Productions nimmt dies als Hinweis, den genau 50 Minuten dauernden Zumba-Kurs wahrzunehmen, der im 5 Minuten entfernten Fitnessstudio stattfindet. Genau eine Stunde Zeit also. Glücklicherweise ist eine große Schale vorhanden, in der der Kürbisbrötchen-Teig gemütlich vor sich hin "gehen" kann.

Eine Stunde später.

Glücklich und ausgepowert kommt die Vorstandsvorsitzende der Mila Cooking Productions ins Firmengebäude. Schon beim Aufsperren der Tür breitet sich allerdings eine dunkle Vorahnung in ihr aus. Es liegt eine ominöse Stille über der Szenerie, fast als ob sich etwas darauf vorbereitet, anzugreifen.

Leise schleicht sich unsere Zumba-Tänzerin zur Küchentür, reisst sie mit einem Knall auf und

WAAAAAAAAAAAAAAAH!!!!!


Das Grauen hat einen neuen Namen.
Und es wächst.
Und wächst.
Und wächst.

Voller Trauer und Angst muss ich verkünden, dass der Kürbisbrötchenteig entkommen konnte. Die Vorstandsvorsitzende der Mila Cooking Productions hat sich mutig in den Kampf geschmissen, aber sie konnte ihn nicht besiegen.

Was habe ich da nur erschaffen?

Womöglich werden schon nächstes Jahr Kürbisse durch Berlins Straßen ziehen, auf der Suche nach Menschenköpfen, die sie aushöhlen und als Laterne in ihre Vorgärten stellen können. Nichts und niemand ist dabei vor dem Kürbisbrötchenteig sicher, denn er presst sich auch durch die kleinsten Ritzen, durch Dielenböden und sogar durch verriegelte Waschmaschinentüren. Dort lauert er auf seine Gelegenheit. SEID WACHSAM!

Es bleibt mir nur noch zu verkünden, dass die Vorgesetzte der Mila Cooking Productions zurückgetreten ist. Den Rest ihres Lebens wird sie mit der Suche nach einem Gegenmittel verbringen.



Sonntag, 8. September 2013

Summer's over... (ein Herbstkuss aus der Hauptstadt)

Summer's over...

Was Berlin sich im Winter an Sympathien verspielt, das macht es im Sommer wieder wett. Dieser Sommer war ziemlich sicher einer der besten in meinem Leben, und Berlin hat eine Menge dazu beigetragen. Wir hatten den kompletten Juli und August jedes Wochenende (und in der Woche eigentlich auch fast jeden Tag) Gäste - entweder Familie, Freunde, oder internationale Couchsurfer (mit denen wir wirklich wahnsinniges Glück hatten, ein paar Abschiede haben mir in den letzten Wochen schon ein bisschen das Herz gebrochen).

Ich sagte es bereits, aber ich sag' s gern nochmal: ihr solltet dringend Couchsurfing ausprobieren ;)
Durch so viele neugierige Berlin Besucher habe ich die Stadt auch noch mal mit ganz anderen Augen wahrgenommen - wobei ich mittlerweile in den "Brandenburger-Tor-Streik" getreten bin, das Ding ist nun wirklich nicht so spannend, dass man es sich öfter als 10 mal im Leben anschauen muss! Solltet ihr mal im Sommer nach Berlin kommen, empfehle ich euch hiermit dafür dringend einige meiner 

Berlin-Sommer-Lieblinge:
  • Leiht euch ein Fahrrad, packt einen Picknickkorb und fahrt zur Tempelhofer Freiheit. Das ehemalige Flughafenfeld ist mittlerweile von der Berliner Bevölkerung dermaßen in Beschlag genommen worden, dass es an jeder Ecke etwas faszinierendes zu sehen gibt. Meine Lieblingsstelle ist der große Garten, in dem jeder der möchte, mitpflanzen darf. So ist eine kreative, knallbunte, wundervoll entspannte Beetfläche entstanden, auf der man nicht nur alte Omis beim Karotten-Kaffee-Kränzchen trifft, sondern auch Hipster, die sich mit ihrem Tablet auf einem Baumhaus entspannen. Cool ist auch der Typ, der lauter alte Schuhe bepflanzt hat, auch wenn die gerade ein bisschen verfallen. Auf der anderen Seite des Tempelhofer Feldes sind wir letztens spontan in eine Party geraten, auf der zur Sonnenuntergangszeit ungefähr 50 Leute barfuß auf dem Gras zu Reggaemusik getanzt haben. Ihr wollt Berlin? Hier kriegt ihr Berlin.
  • Geht Mittag-Essen beim besten Falafel-Laden der Stadt: "Falafel Berlin" in der Skalitzer Straße in Kreuzberg. Superfrisch, superlecker, supergünstig. Ich esse da immer Halumi mit Tabouleh (steht nicht auf der Karte) aber der Mix Teller ist auch verdammt gut!
  • Zum Nachtisch ein Stück Kuchen? Mister Minsch in Kreuzberg ist ein zuckersüßer Mini-Laden, der die Kuchen bis vor einiger Zeit nur aus dem Fenster heraus verkauft hat. Mittlerweile haben sie aufgrund der großen Nachfrage angebaut und auch ein paar Tische im neuen Innenbereich. Himbeer-Vanille-Sahne. Muss ich mehr sagen?
  • Ein Museum das kaum jemand kennt und deswegen immer leer ist, das aber gleichzeitig richtig gut ist: Die Ausstellung zur deutschen Demokratie im Deutschen Dom auf dem Gendarmenmarkt. Sind wir letztens eher zufällig drüber gestolpert und bietet auf 5 Stockwerken eine wirklich tolle Ausstellung mit kostenlosen Führungen von super-motivierten Guides. 
  • Überhaupt der Gendarmenmarkt! Flasche Wein und Gläser mitnehmen, gegen Abend hingehen, Touristen angucken und den Musikanten zuhören, die eigentlich immer irgendwo spielen. Der Ausblick ist gigantisch, denn die beiden identischen Döme (ist das die Mehrzahl von Dom?) rechts und links vom Schauspielhaus sind einfach traumhaft schöne Gebäude.
  • Danach eine Straße weiter um die Ecke vorbeischauen: Auf dem Platz zwischen Humboldt-Uni und Oper ist eines der wichtigsten Denkmäler Berlins in die Erde eingelassen: Das Denkmal zur Bücherverbrennung. Weiss man das nicht, läuft man einfach dran vorbei, denn der Raum voller leerer Bücherregale ist unter der Erde und nur ein kleines Glasfenster zwischen den Pflastersteinen deutet darauf hin, was an dieser Stelle vor noch gar nicht so langer Zeit passiert ist. "Das war ein Vorspiel nur. Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen." Wie Recht er leider hatte, der Herr Heine.
  • Wenn ihr Reaggae und Karibik Sound mögt, lasst den Abend im Yaam ausklingen. Mein absoluter Lieblingsclub (direkt am Ostbahnhof) der sich im Sommer in eine Beachbar verwandelt, in der man fast die ganze Woche tanzen gehen kann. Am Wochenende gibt's oft richtig coole Konzerte. Info am Rande: Seeed hat sich hier kennengelent. Spricht für sich, oder?
  • Domäne Dahlem: Das Gutshaus von 1650 liegt am Rande Berlins, 15 Minuten mit dem Rad von Steglitz entfernt. Ich liebe das alte Anwesen, auf dem immer noch Landwirtschaft in ihrer traditionellen Form betrieben wird. In den Ställen können die Stadtkinder hier noch echte Kühe anschauen (die sind garnicht lila, oha?) und das Gutshaus ist zu einem kleinen, sehr feinen Museum geworden. Den ganzen Sommer über finden am Wochenende verschiedene Märkte statt und im Winter gibt es einen bezaubernden Weihnachtsmarkt. Dieses Wochenende gab es ein Mittelalterfest. War ziemlich cool. So'n Mann auf nem Pferd in voller Tournier-Montur hat schon was für sich, kann man nicht anders sagen. 
Mittelaltermarkt auf der Domäne Dahlem.

Willkommen Herbst!

Bei aller Liebe für den Sommer wird der Herbst aber immer, immer meine liebste Jahreszeit bleiben! Ich freue mich schon auf knisternde Blätter, lesen im Park oder auf der Fensterbank mit heißem Kako, auf Waldspaziergänge, Bastelabende und vor allem auf die Ernte. Es wird natürlich auch dieses Jahr wieder ein Erntedankfest bei uns geben, das hat ja mittlerweile Tradition. Und um es in den Worten meines Vermieters zu sagen: Es ist Erntezeit!!!!

Unser Vermieter ist übrigens definitiv der Glücksfall des Jahrhunderts!
Jetzt bräuchte ich dann nur bitte mal kurz ein Zwetschenrezept. Hat jemand eins parat? Über die Ergebnisse würde ich dann übernächste Woche berichten, denn:

Ich flieg ja  Morgen nach Schottland! 

Herbst in Schottland. Hach. 
 
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