Montag, 26. September 2016

Teenietage - von der Unfähigkeit, mich literarisch weiterzubilden.

Neulich auf dieser Networking Veranstaltung:

„Ich wusste gar nicht, dass du einen Literaturblog hast!“
„Mhmm, ja, ich blogge auch kaum noch.“
„Aber dann kennst du dich ja mit Literatur sehr gut aus! Was liest du denn so? Ich lese ja gerade dieses neue Werk von diesem Literaturpreisträger, hier, Dings.“
„Äh... ich lese gerade „The Boyfriend List.“
„...“
„Ja... ich weiß. Ist eigentlich für Teenies, aber das ist echt ein cooles Buch!“
„Achso. Ja, hm, Ich geh nochmal schnell zum Buffet, die bauen ja sonst gleich ab!“

Diesen Winter werde ich meinen 29. Geburtstag feiern. Die Zeit, in der ich gefahrlos Jugendbücher verschlingen darf ohne als literarischer Loser dazustehen, neigt sich leider dem Ende entgegen... ehrlicherweise hat sie das Ende wahrscheinlich schon einige Jahre hinter sich gelassen. Nun stellt sich allerdings die Frage, was nach dem Ende kommt. Was kann ich mit, oh Himmel, FAST DREIßIG gefahrlos lesen, um mich in der Unterhaltung mit anderen Erwachsenen immer noch als Literatur Liebhaber bezeichnen zu dürfen? Ich kann ja schlecht jedes Mal den ollen Tolstoi in den Ring schmeißen, noch dazu wo ich Krieg und Frieden nicht mal zu Ende gelesen habe!

Ein wenig stolz darf ich wohl vermelden, dass ich zumindest mittlerweile eine gesunde Skepsis vorweisen kann, sobald ich irgendwo ein Teenager-Liebes-Dreieck wittere. Und Titelheldinnen sofort entlarven kann, sobald sie anfangen über ihre eigenen Füße zu fallen und davon reden, wie unscheinbar sie sind. Und mit den Buch-Empfehlungen meiner 18-jährigen Schwägerin nur noch ca. in der Hälfte aller Fälle übereinstimme, während das vor einem Jahr noch ganz anders aussah. (Denn mal ehrlich, Throne of Glas ist so offensichtlich voller platter Stereotypen und Plotholes, dass es selbst mir auffällt. Was nicht bedeutet, dass ich es nicht trotzdem amüsiert zu Ende gelesen habe. Ich hab mir nur die Fortsetzung nicht gekauft.) Aber das kann ich ja keinem erzählen, der sich mit mir über die „grundlegende Skepsis gegenüber der Repräsentation“ in den Werken von Alice Munro unterhalten will. Von der ich nichts gelesen habe. Obwohl sie 2013 einen Literaturnobelpreis bekommen hat.

Wenn ich vor der Entscheidung stehe, mich literarisch weiterzubilden oder das neueste Teeniebuch meiner langen Reihe von Lieblingsteeniebuchautoren auf meinen Kindle zu laden und den Rest des Nachmittages meine Couch nicht mehr zu verlassen – gewinnt immer die zweite Option.

Tja. Und was tue ich jetzt mit diesem Eingeständnis meiner literarischen Bildungsangst?

DEN ZWEITEN BAND RUBY OLIVER AUF MEINEN KINDLE LADEN UND DRAUF WARTEN, DASS ICH VON ALLEIN ERWACHSEN WERDE!

Muss ich jetzt halt auf Networking Veranstaltungen über Kinofilme reden. Wobei... vielleicht lieber doch nicht. (Der letzte X-Men war übrigens viel besser als der letzte!)


Und ihr? Geht jetzt bitte die gesammelten Werke von Stefan Zweig auf euren Kindle laden. Die gibt’s bei Amazon für 99 Cent! Was ein geniales Schnäppchen wäre, wenn ich die Datei in den letzten Monaten mal geöffnet hätte.

Alternativ könnt ihr es aber auch so halten wie ich und alle vier der folgenden Werke von E. Lockhart innerhalb von drei Tagen verschlingen.


We were Liars



„Welcome, once again, to the beautiful Sinclair family. We believe in Outdoor exercise. We believe time heals. We believe, although we will not say so explicitly, in prescription drugs and the cocktail hour.“


Eine mir vorher noch unbekannte Autorin, gekauft auf Basis eines Amazon Deals. Scheinbar gab es damals einen großen Hype um dieses Buch, in dessen Folge dann einige Leser enttäuscht waren. Ich hab den Hype natürlich wieder verpasst und war entzückt. Vom wundervollen, wundervollen Schreibstil der Autorin, ihrer Art mit Poesie und Märchen zu spielen und vom Unterhaltungswert des ganzen Buches, denn ich habe mich schon länger nicht mehr so schnell so tief festgelesen. Von der Geschichte über eine reiche Familie voller Abgründe über die niemand spricht, deren Teeniekinder die Schnauze voll haben von den Lügen ihrer Altvorderen.  Nach ca. einem Drittel der Story habe ich das Ende geahnt, was mich aber nicht gestört hat.


„My head and shoulders melted first, followed by my hips and knees. Before long I was a puddle, soaking into the pretty cotton prints. I drenched the quilt she never finished, rusted the metal parts of her sewing machine. I was pure liquid loss, then, for an hour or two. My grandmother, my grandmother. Gone forever, though I could still smell her Chanel perfume on the fabrics.“


How to be bad




"I'm not mad at you, Vicks. I'm just... mad at myself."
"For what?"
Mel sighs. "For thinking you were my friend. For trusting you."
"Don't give me that," I snap. "That's the most backhanded bullshit insult I ever heard."

Die Stimmung im Vergleich zum ersten Buch könnte nicht unterschiedlicher sein. Drei verschiedene Autorinnen, die drei verschiedenen Charakteren ihre Stimmen verleihen. Drei Mädels, die in einem Schnellimbiss arbeiten, ein Roadtrip, ein Alligator, eine Ente. Die religiöse Jesse flieht vor der Krebs-Diagnose ihrer Mutter, die coole Vicks vor den Problemen mit ihrem Freund und die unsichere Mel vor sich selbst. Das Buch macht einen Riesenspass, mit humorsprühenden Dialogen und absurden Situationen. Die Autorinnen schaffen es, eine liebevolle, authentische Freundschaft darzustellen und ganz nebenbei ein paar Vorurteilen über Reichtum, Armut und Religiosität die Stirn zu bieten. Mein Lieblingsmoment ist, als Jesse, die in einem Trailer lebt, das erste mal in die Luxus-Suite eines Hotels eincheckt. Ich bin förmlich mit auf den Betten gehopst!
"Well. We are alive, we are here. We are badass. We have a duckling."

The disreputable history of Frankie Landau-Banks


Ausnahmsweise ist das deutsche Cover hier wirklich mal ein Highlight!

"Frankie was curvy, lithe, and possessed of enough oomph to stop teenage boys in the street when they passed her. But if we are to accurately chronicle Frankie's transformation and so-called misbehaviour in these pages, it is important to note that her physical maturation was not, at first, accompanied by similar mental developments."

Wieder ein ganz anderes Buch als die beiden oben, ein ganz anderer Stil, ein anderer Ton. E. Lockhart hat mit diesem Roman diverse Preise gewonnen und das zu Recht, denn der omnipräsente Erzähler verleiht dem Ganzen eine besondere Note. Man identifiziert sich nicht direkt mit der Titelheldin Frankie, sondern schaut ihr rückblickend bei ihren Abenteuern zu, wobei es den Eindruck macht, als würde der ironisch angehauchte Erzähler stellenweise eine Augenbraue hochziehen.  Frankie ist die pfiffige Tochter einer reichen Familie und Teil eines elitären Schulsystems, welches die zukünftige Führungsriege ausbildet. Während Frankie scheinbar alle Türen offen stehen, muss sie erkennen, dass sie immer noch ein Problem hat: als Mädchen bleibt ihr der Zutritt zum wichtigsten aller Clubs verwehrt; den Basset Hounds. Doch  das lässt sie sich nicht bieten. 
Dieses Buch greift subtil und clever eine ganze Menge große Themen auf (Feminismus, Macht, Beziehungen, Unterdrückung und die seltsame Definition, die wir oft von Liebe haben...). Während ich die Sprache teilweise etwas bemüht fand, hat mir die aussergewöhnliche Sichtweise tatsächlich den ein oder anderen Aha-Moment beschert.
"He wasn't curious about her family. He expected her to become part of his life, but he didn't become part of hers. Lots of girls don't notice when they are in this situation. They are so focused on their boyfriends that they don't remember they had a life at all before their romances."

Die Ruby Oliver Serie



"Don't jump all over me ’cause Jackson broke up with you,” she said. “It’s not my fault.” 
“It’s your fault I have to think about the two of them naked,” I yelled. “Just leave me off your penis information list from now on.” 
“Fine,” she snapped. “You can be sure I will.” She turned and went into the gym. I felt like an asshole. But hey: My heart rate was normal, and my lungs felt free and clear. I took a deep breath.

Von den vier Büchern ist das Ruby Oliver Quartett auf die jüngsten Leser ausgerichtet. War klar, dass es mir am besten gefallen hat, ne? Vielleicht weil Ruby es dem Leser so irre schmackhaft macht, ENDLICH KEIN TEENIE MEHR ZU SEIN! Man, war das anstrengend mit 15. Die Katastrophen in die Ruby stolpert - ihr Freund verlässt sie für ihre beste Freundin, die daraufhin einen Zickenkrieg beginnt, in dessen Folge Ruby im Wesentlichen als sozial ausgestossener Therapiefall endet - sind allerdings dermaßen brüllend komisch verpackt, dass man sie nur lieben kann...
es sei denn, man hasst sie. (Die Goodreads Reviews sprechen Bände). 
"There was kissing in those movie stills. A lot of kissing. But none of it looked like anything real. And yes, “real” was what I had just said I wanted. But now, fake and glam was looking a lot better than anything that was ever going to actually happen to me. Fuck it. "



Samstag, 2. Juli 2016

Top und Flop aktuell (Lieblingsautoren-Edition)

Schon länger habe ich sehnsüchtig darauf gewartet, die aktuellen Romane von zwei meiner Lieblingsautorinnen zu lesen. Da die Werke von Nina Blazon und Ursula Poznanski fast alle zu meinen Favoriten gehören, wollte ich die neuen Bücher nicht so zwischen Tür und Angel lesen, sondern das mindestens mit einem freien Nachmittag beim Starbucks zelebrieren. Das lange Warten hat sich gelohnt - leider nur in einem Fall.

Top


Der Winter der schwarzen Rosen von Nina Blazon




"'Ich bin der Herzschlag des Herbstes', rezitierte ich die Eröffnungsformel. 'Ich bin das Verblühen, das Vergehen vor dem Werden. Ich bin der letzte Tanz des Sommers und der letzte Kuss auf goldenes Haar, bevor es winterweiß wird. Ich bin der letzte Gesang der Goldammer und der letzte Flügelschlag des Schmetterlings. Ich bin der Funke, der in euer Herz sinkt, um im Frühjahr neu geboren zu werden, und ich bin das letzte Lied, das bis zum Fühlingstag in uns nachklingen wird. Auf das letzte Licht!'"

Zur Story:

Liljan und Tajann sind so unterschiedlich, wie Schwestern nur sein können. Doch Tajann wird als Zweitgeborene für immer in der Angst ihrer Schwester gefangen sein, solange ihr Vater seine Erstgeborene nicht frei spricht. Um ihren eigenen Weg gehen und ihrer Liebe folgen zu können, beginnt Tajann ein gefährliches Spiel zu spielen. Sie ahnt nicht, dass sie damit nicht nur ihr eigenes Leben aufs Spiel setzt.

Warum Top?

Den Zauber, der von Nina Blazons (Fantasy-) Büchern ausgeht, habe ich hier schon einmal versucht, zu beschreiben. Faunblut, Ascheherz und ganz besonders Der dunkle Kuss der Sterne sind meine drei Lieblingsbücher von ihr, deswegen hat es mich sehr gefreut, dass Der Winter der schwarzen Rosen alle drei Welten miteinander verknüpft. Erinnerungen aus älteren Geschichten werden wieder lebendig und Liljan und Tajann sind mindestens genauso unvergessliche Charaktere wie Canda, Jade und Faun es waren. Wie immer bei Nina Blazon sind die Beziehungen der Figuren untereinander keineswegs unkompliziert. Sowohl die Liebesgeschichten als auch die (Hass-?)Liebe der Schwestern zueinander sind faszinierend tiefgründig und dadurch umso unvergesslicher. Die Figuren sind nicht schwarz oder weiss, sie sind menschlich, sie handeln auch mal schwach. Egoistisch. Und setzen damit die Liebe zu denen aufs Spiel, die ihnen am Meisten bedeuten.

"'So ist es, eine Familie zu verlieren?' dachte ich? 'Einfach so? (...) Noch fehlte mir Tajann nicht, noch haftete ihr Haarduft an meiner Wange. Abschiede schleichen sich langsam heran, das sollte ich bald erfahren: das allmähliche Ausbluten von Vertrautheit und das schmerzliche Aufblühen von Erinnerungen, die stets viel strahlender oder dunkler sind als die Wirklichkeit.'"
Und Nina Blazon weiss genau, wie die Menschen sind. Sie liebt sie dafür. Und das spürt man auf jeder Seite dieses Romans.
"'Was ist das für eine Leidenschaft, dass ihr Menschen immer Grenzen überschreiten wollt, sobald ihr welche findet?' 'Das ... macht uns Menschen wohl aus", erwiderte ich leise. "Wenn wir tanzen, dann tanzen wir, bis unser Herz überquillt. Wenn wir lieben, dann so sehr, dass die Welt zu leuchten beginnt - und mit dem Hass ist es ebenso. Wir kosten alles bis zu Neige aus und wir geben uns mit Grenzen nicht zufrieden.'"
Das Buch ist wieder so wunderschön geschrieben, ich hätte noch seitenweise Zitate einbauen können. Allerdings muss ich sagen, dass ich Anfangs Schwierigkeiten hatte, in die Geschichte hineinzufinden und mir vor allem Liljan nicht so einfach zugänglich war. Nach etwa einem Fünftel nimmt das Ganze aber an Fahrt auf und die Schwestern, deren Schicksale immer im Wechsel aus ihrer eigenen Sicht beschrieben werden, sind mir ans Herz gewachsen. Auch ein paar andere Charaktere stechen heraus und das ganze endet in einem solch furiosen Finale, dass ich die letzte Seite kaum erwarten konnte -  um das Ganze dann noch mal von vorne zu lesen, wenn ich mal wieder einen Nachmittag beim Starbucks einlegen kann...

"Dein Mädchen hatte keine Ahnung wen sie gehen ließ. Auch mit dir kann man Reiche stürzen und neue erbauen.' Ich meine das aus ganzem Herzen. Er kontert mit einem rauen Lachen. 'Noch spielen wir auf Risiko, Jägermädchen', sagt er spöttisch. 'Also heb dir deine sülzigen Reden für später auf.' Damit spuckt er aus und geht.

Flop


Layers von Ursula Poznanski




"Als Erstes schluckte Dorian die Tablette, dann zog er sich langsam aus. Alle seine Instinkte schlugen Alarm. Das alles hier war viel zu gut, um harmlos zu sein. Keine Sekunde lang glaubte er, dass irgendjemand aus reiner Menschenliebe junge Leute von der Straße holte, um sie in seiner Villa auf Fünf-Sterne-Niveau einzuquartieren. Schon gar nicht, wenn man annahm, dass sie gerade jemanden getötet hatten."
 

Zur Story:

Dorian ist von Zuhause abgehauen und schlägt sich nun auf der Straße durch - bis er eines Morgens neben einem toten Obdachlosen aufwacht. Ein Fremder, der beobachtet haben will, wie Dorian den Mord begangen hat, bringt den Jungen in Sicherheit. Und nicht nur das - er bekommt in der Villa Essen, Kleidung, sogar Unterricht - und das alles nur dafür, dass er "Werbegeschenke" überbringt. Doch warum ist es ihm verboten zu erfahren, was die Pakete enthalten?

Warum Flop?

Fairerweise muss ich sagen, dass ein Flop von Ursula Poznanski natürlich immer noch Meilenweit von dem entfernt ist, was ich hier normalerweise als "Flop" präsentiere. Nichtsdestotrotz war ich schwer enttäuscht von dem Buch, das nicht nur üble Logikfehler aufweist, sondern mit Dorian auch eine Hauptfigur enthält, die leider einfach - man kann es nicht anders sagen - ein bisschen doof ist. Schade.

Dabei fängt alles so gut an. Ca. das erste Drittel habe ich verschlungen und hatte die fünf Sterne quasi im Geiste schon vergeben, leider geht es dann so ungefähr ab Seite 150 fürchterlich den Bach runter. Ich kann mir nicht erklären, was da passiert ist. Dem Verlag oder irgendeinem der Testleser hätte auffallen müssen, dass dieses Buch mit mindestens 50 Seiten weniger weitaus besser bedient gewesen wäre. Denn es gibt zig Stellen an denen Dorian nichts anderes tut, als im Kreis herumzulaufen und sich immer wieder die gleichen Fragen zu stellen - ohne allerdings eine Antwort zu finden oder AUS SEINEN FEHLERN ZU LERNEN. Man möchte den Jungen irgendwann schütteln für seine Deppertheit. Noch ärgerlicher ist es, dass in diesen Fragen auch immer seine "große Liebe" vorkommt - die er gefühlt seit fünf Minuten kennt, wegen der er sich aber regelmäßig in Lebensgefahr begibt. Macht weder emotional noch spannungstechnisch Sinn und das Ganze hat mich einfach geärgert.

Die Idee an sich ist, typisch Poznanski, eine pfiffige Weiterspinnung topaktueller Trends. In der Geschichte steckt wirklich ein Riiiiesen-Potential. Wäre es genutzt worden, hätte das vielleicht über die Eindimensionalität der Charaktere und die völlig blödsinnige "Auflösung" am Ende hinwegtrösten können. Zu Frau Poznanskis Ehrenrettung sei gesagt, dass der Roman eine Menge spannende Fragen aufwirft - Heiligt der Zweck die Mittel? Sollten die Mächtigen über ein Informationsmonopol  verfügen? Rechtfertigt das Schützen vieler Menschenleben die Gefährdung einzelner? Was ist Moral? - deren Behandlung der Geschichte viele Dimensionen hinzufügen hätte können - aber dann bräuchte man wohl noch einmal so viele Seiten. Vielleicht wollte sie da einfach an zu vielen Fronten gleichzeitig kämpfen. 

"Was er brauchte, war keine neue Stadt, sondern ein neues Ziel. Eine Perspektive. Er war gerade mal siebzehn und auf dem besten Weg, eine Karriere als Obdachloser einzuschlagen. Dabei hatte er vorgehabt, Anwalt zu werden. Seine Noten waren gut gewesen, verdammt noch mal, und unter normalen Umständen hätte er das Gymnasium niemals abgebrochen."

-äh, doch. Sorry Dorian. Mit dem Mangel an logischem Denkvermögen hätteste im Abi echt Probleme bekommen.



Freitag, 8. Januar 2016

Jugendbuch Tops und Flops der letzten Wochen

In der letzten Zeit hab ich zum Großteil Bücher aus der Bibliothek gelesen und oft hab ich mir dann die gegriffen, deren Cover mir in den letzten Jahren auf vielen Blogs begegnet sind. Von daher ist es keine große Überraschung, dass viele Jugendbücher dabei waren. Viele habe ich wieder weggelegt, weil sie mir schon im ersten Drittel zu langweilig waren, einige haben mich positiv überrascht, wobei man ehrlich sagen muss, dass alle drei vorgestellten "Top" Bücher nicht gerade mit Tiefgründigkeit beeindrucken konnten, aber sie haben mir einfach Spaß gemacht. Über die letzten 2 Bücher - auch wieder eine Dystopien-Reihe, ich kann's einfach nicht lassen! - hab ich mich richtig geärgert.


TOP


Der Pakt von Gemma Malley


Worum geht's?
Großbritannien in nicht allzu ferner Zukunft: Die Menschheit hat ein Medikament entwickelt, welches das Altern verhindert. Gleichzeitig sind durch den Raubbau an der Natur die Ressourcen dermaßen knapp, dass selbst die Privilegiertesten mit ihren Energiecoupond haushalten müssen. Und da alle Menschen nun ewig leben, werden die Ressourcen immer knapper. Einige Jahrzehnte vorher wurde deshalb ein Pakt geschlossen: es ist nicht mehr erlaubt, überschüssiges (also neues) Leben in die Welt zu setzen. Anna jedoch ist das Kind von Eltern die sich nicht an den Pakt gehalten und erwischt wurden. Während ihre Eltern im Gefängnis ihre Strafe absitzen, wächst Anna deshalb in einem Überschussheim auf, in dem sie lernt, ein gutes Hausmädchen für die "Legalen"zu werden um so lebenslang ihre Schuld abzuarbeiten. Doch dann lernt sie Peter kennen... 

Warum Top?
Eine intelligent aufgebaute Dystopie, die beängstigend glaubhaft konstriert ist. Das Buch ist kurz aber Gemma Malley schafft es, in wenigen Beschreibungen ein umfassendes Bild dieser Welt und des Überschussheims zu zeichnen. Ihre Charaktere bleiben dabei zwar stereotyp, das hat mich hier aber nicht gestört, weil ich von der Idee so angetan war. (Den zweiten Band kann man sich dann allerdings sparen, da er wirklich unter der Flachheit der Charaktere leidet! Ich hab ihn nach einem Drittel abgebrochen). Es gibt einige sehr gut gezeichnete Interaktionen zwischen der perfiden Leiterin des Überschussheims und ihren Bewohnern aber auch zwischen den Kindern untereinander, die mir richtig Magenschnerzen gemacht haben in ihrer leider ziemlich realitätsnahen zwischenmenschlichen Grausamkeit. Eine gelungene Dystopie die ohne übertrieben leidenschaftliche Liebesgeschichte auskommt.



Thirteen Reasons Why von Jay Asher


Worum geht's?
Sie war in seiner Klasse. Sie war seine erste Liebe. Jetzt ist sie tot. Und alles was geblieben ist, sind 13 Kassetten auf denen sie die Gründe für ihren Selbstmord erklärt. Die Tapes gehen an 13 Menschen, denen sie die Schuld an ihrem Handeln gibt. Er ist einer davon.

Warum Top?
Trotz der Ernsthaftigkeit des Themas fand ich das Buch nicht schwer verdaulich. Kurze Lektüre, leicht und spannend zu lesen und mit einem liebenswerten Erzähler der die Welt nicht mehr versteht. Was hat ausgerechnet er mit dem Selbstmord des Mädchens zu tun, das er doch so toll fand? Nach und nach enthüllen die Tapes wie es dazu kommen konnte, dass ein nach außen hin beliebter und selbstbewusster Mensch sich selbst vollkommen verlieren kann. Eine Erinnerung daran, dass auch unsere kleinsten Aktionen unerwartete Wirkungen hervorrufen können und man nie vorschnell über andere Menschen urteilen sollte. 


Weil ich Layken liebe (Slammed) von Colleen Hoover


Worum geht's?
Eine sanfte Liebesgeschichte mit überraschender Wendung, über die man kaum weiteres schreiben kann ohne zu spoilern.

Warum Top?
Diesmal kein Bibliotheksfund, sondern ein Gratis Kindle-Download, der monatelang in meiner Kindle-App rumlag, weil mir das Cover zu kitschig war und ich auch keine Ahnung hatte, worum es geht. Der Stil des Buches hat etwas erfrischend unaufgeregtes und tatsächlich habe ich mich zuerst gefragt, ob ich jetzt in einer superseichten Liebesgeschichte gelandet bin, die zwar schön geschrieben ist, in der aber irgendwie nichts passiert. Die Wendung nach etwa dem ersten Viertel hat mich dann echt positiv überrascht und obwohl mich der Handlungsverlauf nicht zu hundert Prozent überzeugen konnte, habe ich die Charaktere ins Herz geschlossen und wollte wissen wie es weitergeht!

Den zweiten Band (Point of Retreat) habe ich mir auf englisch bestellt, weil viele Szenen auf einem Poetry Slam spielen und ich die Gedichte gern in der Original-Sprache lesen wollte. Cooles Detail: Weil der erste Band verhältnismäßig kurz ist und der Stil so ungewöhnlich, hatte ich mich schon gefragt, ob ich hier an ein veröffentlichtes NaNoWriMo-Buch geraten bin (das ist der National Novel Writing Month, der jeden November stattfindet und wer ihn nicht kennt aber immer schon mal ein Buch schreiben wollte, sollte dringend mal auf der Seite vorbeischauen.) Im zweiten Band ist dann der NaNoWriMo auch wirklich Teil eines Slams.


FLOP


Rette mich vor dir von Tahereh Mafi


Worum geht's?
Im zweiten Teil der "Shatter Me" Trilogie von Tahereh Mafi wird die Dystopie um Juliette fortgesetzt, die ihr Leben in Einsamkeit verbracht hat, weil niemand sie anfassen kann. Denn ihre Berührung ist tödlich. Doch dann kommen die neuen Machthaber ihrer zerstörten Welt darauf, sie als Waffe zu benutzen. Juliette beschließt zu kämpfen, muss aber erkennen, dass die Bösen evtl. nicht nur böse sind...

Warum Flop?

Aaaaalter. Ich weiss überhaupt nicht, wo ich anfangen soll! Der erste Band hatte mich mit seiner intensiven und poetischen (wenn auch zeitweise ziemlich repetitiven) Schreibweise beeindruckt  und ich fand auch die Idee interessant. Leider hatte ich schon befürchtet, dass es am Ende vielleicht doch wieder auf eine an den Haaren herbeigezogene Dreieckskiste zwischen liebeskranken Teenagern hinauslaufen könnte, auch wenn das anhand der Konstellation der Figuren nicht besonders wahrscheinlich schien. Was soll ich sagen? Tahereh Mafi hat sich trotzdem nicht davon abhalten lassen in das gleiche Horn zu tuten, wie Dutzende Jugendbuch-Dystopie Autoren vor ihr. (Und die Amazon Bewertungen geben ihr leider recht, das Publikum verlangt danach.)

Vorsicht SPOILER!

Es scheint den Lesern total egal zu sein, dass alle drei Mitglieder dieser seltsamen Dreiecksbeziehung eigentlich nur leere Fassaden sind. Juliette, die am Anfang noch Spuren von Tiefgründigkeit erahnen lässt, entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einer unerträglich anstrengenden, triebgesteuerten Gefahr für die ganze Untergrundbewegung. Innerhalb weniger Kapitel verlernt sie scheinbar die Fähigkeit, auch nur halbwegs rational zu denken. Sobald ihr Liebster Adam - dessen Sex-Appeal für mich nicht einmal mit viel gutem Willen erklärbar ist, denn sein Charakter ist platt und abgesehen von ein paar flotten Sprüchen zu Beginn entwickelt er sich danach in Rekordzeit zum großen Schweiger, der außer vor sich hinzubrüten eigentlich keine Aufgabe mehr hat! - die Bühne betritt, flippt Juliette völlig aus. Es scheint nach Jahren der Einsamkeit undenkbar zu sein, auch nur fünf Minuten die Hände voneinander zu lassen und beide vergessen leider wiederholt (und mit ja nun wirklich voraussehbaren Konsequenzen!) dass Adam von Juliettes Berührung STERBEN KANN. Sobald die beiden erkennen, dass Berührungen zwischen ihnen ausgeschlossen sind, wird gleich die ganze Beziehung - auf möglichst geräuschvolle und dramatische Weise - für aussichtslos erklärt.

Ich will ja keine prüde Tante sein, aber ist DAS die Botschaft, die man Teenagern vermitteln sollte? Wenn Juliette und Adam sich doch so sehr liiiiiieben (denn das tun sie natürlich, nachdem sie kaum je drei Sätze gewechselt haben!), wäre es dann so undenkbar, dass sie vielleicht einfach miteinander reden? Sie kann ihn ja sogar berühren, wenn sie dabei Handschuhe trägt. Liebe Jugend, ein Minimum an Beherrschung darf doch wohl drin sein. Großartig, jetzt fühle ich mich auch noch steinalt.

Anyway. Wir sind ja noch nicht am Ende. Nachdem die große Liebe zu Adam im Kern erstickt ist, wendet sich Juliettes Besessenheit einer anderen Quelle zu. Und hier wird es, ohne übertreiben zu wollen, meiner Meinung nach wirklich gefährlich! Christian Grey war dagegen in seiner ganzen Stalker/Psychosen/Dominanzsucht ein unkompliziertes Schnuckelchen. Denn Juliettes neuesten Schwarm Warner lernen wir kennen, als er im ersten Band gerade jemanden erschiesst. Danach benutzt er einen Säugling, dessen Folter und Tod er in Kauf nimmt, um Juliettes Kräfte zu testen. Juliette hasst ihn natürlich aus tiefstem Herzen, bis sie ihn, Enthüllung über Enthüllung, dabei beobachtet, wie er...
einen Hund streichelt. Und die ganze "kann er denn wirklich so böse sein"-Kiste nimmt Fahrt auf. WHAT THE FUCK!

Merke: Eine Beziehung ist absolut aussichtslos, wenn dein Lover beim Fummeln sterben könnte. Wenn er stattdessen nur Menschen foltert, tötet und ihre Babies umbringt, könntet ihr noch eine Chance haben. 
Vorausgesetzt er mag Hunde.

Achtung Mädels, was ich euch jetzt sage, widerspricht dem ganzen Konzept dieses Buches, aber JA! DER TYP IST WIRKLICH BÖSE! Er foltert Babies und ermordet Menschen! Leider scheint das für die Autorin nicht so wichtig zu sein denn schließlich ist Warner WIRKLICH IN JULIETTE VERLIEBT! Und er hat einen bösen Vater. Und er mag Hunde!!! (Okay, das kann doch kein Zufall sein, oder hat die Autorin wirklich noch nie von Hitlers Hund Goldie gehört?)

Ich wollte noch viel mehr schreiben, aber meine kleine Tirade hier hat unglücklicherweise jetzt schon Ausmaße angenommen, die das Buch eigentlich nicht verdient hat.

Also mein Fazit:
Anstrengende Charaktere, bei denen man sich nicht nur alle paar Absätze an den Kopf packt, sondern Teenie Mädels am Liebsten davon abhalten möchte, jemals mit dem hier publizierten verqueren Beziehungsbild in Berührung zu kommen. Im Hintergrund der Story läuft ein lahmer X-Men Abklatsch, der eigentlich Potential hätte, aber neben der Dreieckskiste total im Sande verläuft. Besonders schade finde ich, dass der einzigartige Stil Mafis, vor allem im ersten Buch, wirklich Schreibtalent vermuten lässt.

(Ich fürchte allerdings, dass das leider nicht der Grund für die 4 1/2 Sterne Bewertungen auf Amazon ist. Viel eher manifestiert sich hier die in letzter Zeit häufiger beobachtete und echt bedenkliche Schwärmerei junger Mädels für psychopathische Arschlöcher, die von der Autorin irgendwie doch noch als Partnermaterial gehandelt werden, nur weil sie in die Titelheldin verliebt sind.)

Dienstag, 20. Oktober 2015

Für chronisch Fernwehgeplagte: Memoirs of a Geisha (Listen-Nr. 62)

Es mag anders aussehen aber ich habe mein 100 Bücher Projekt nicht vergessen. In den letzten Monaten habe ich sogar mehrere Bücher von der BBC-Liste gelesen, mich jedoch nicht dazu überreden können, diese auch zu kommentieren. Da aber heute ein besonders nasser, grauer Herbsttag in Berlin mein - sowieso meist überdurchschnittliches hohes - Fernwehlevel auf die Spitze treibt, behelfe ich mir mit der Erinnerung an Japan (und einer Portion Edamame mit Salz.) 

Nicht, dass ich jemals dort gewesen wäre, aber als ich vor einiger Zeit die Geisha von Arthur Golden gelesen habe, kam es mir nach der letzten Seite fast so vor, als wäre ich gerade aus einem fremden Land wieder nach Hause gekommen. Dabei lässt die Geisha eigentlich keine Urlaubsstimmung aufkommen, dafür ist die Geschichte zu düster. Gleichzeitig ist sie so fremdartig, dass der Leser quasi in diese Welt der Traditionen und Regeln, der Heimlichkeiten und Verbote, Tänze und teuren Kimonos, der weißen Schminke und roten Lippen hineingesaugt wird.
Sayuris Welt. 

Zur Story: 


Sayuri ist noch ein kleines Mädchen, als sie und ihre Schwester ihrem Vater von einem reichen Mann abgekauft werden. Sie versteht nicht, was passiert, findet sich jedoch bald darauf in einer Okiya, einem Geisha-Haus wieder. Ihre Schwester ist nicht mehr bei ihr, wohl aber die schöne und sehr erfolgreiche Hatsumomo, die erste Geisha des Hauses. Von Sayuris Schönheit in die Enge getrieben, lässt sich Hatsumomo alle möglichen Grausamkeiten einfallen, um dieser das Leben zur Hölle zu machen und ihr den Weg in die Welt der Geisha zu versperren. Beinahe gelingt ihr das auch, bis Hatsumomos schärfste Konkurrentin beginnt, sich für das junge Mädchen zu interessieren und sie zu sich in die Ausbildung nimmt. Sayuri wird zu einer der begehrtesten Geishas in Kyoto, sie hat Zutritt zu den exklusivsten Teehäusern und den begehrtesten Männern. Dies ist ihre Geschichte. 

Meine Meinung: 

 „It took me a while to understand that my father had been married before, a long time ago, and that his whole family had died. I went back to those graves not long afterward and I found as I sttod there that sadness was a very heavy thing. My body weighed twice what it had only a moment earlier, as if those graves were pulling me down toward it.“ 

Sayuris Welt ist keine fröhliche Welt. Auch keine Welt, die mir besonders sympathisch ist, aber Arthur Golden verpackt sie in eine derart bildgewaltige Sprache, dass sie mich fest in ihren Bann gezogen hat. Es ist eine Welt, die kleine Mädchen zu Gegenständen macht, welche in die Prostitution verkauft werden können, in der Männer das Sagen haben und gleichzeitig so abhängig von dem strengen gesellschaftlichen Verhaltenskodex sind, dass auch sie nie wirklich frei entscheiden können. Sayuri hat ein feines Gespür für Menschen und kann schon als kleines Mädchen die Männer mit einem Blick einschätzen. 

 „Even as a child I could tell that Mr. Tanaka saw the world around him as it really was; he never wore the dazed look of my father. To me, he seemed to see the sap bleeding from the trunks of the pine trees, and the circle of brightness in the sky where the sun was smothered by the clouds. He lived in the world that was visible, even if it didn’t always please him to be there“ 

Diese Fähigkeit hilft ihr später dabei, die Männer von sich zu beeindrucken und sie zu manipulieren. Doch auch die erfolgreichste Geisha ist vollkommen abhängig von ihrer Stellung in der Männerwelt. Sie braucht einen danna, einen Mann der sie selbst und damit auch ihre Okiya finanziert, denn alle Frauen, die in der Okiya leben, sind vom ebenso vom Verdienst der Geisha abhängig. Findet sie einen danna, kann dieser relativ frei über die Geisha verfügen, denn er zahlt dafür, dass sie ihre Zeit bevorzugt mit ihm verbringt. Sie tanzt und singt für ihn, bewirtet ihn im Teehaus und lauscht seinen Geschichten. Während sich Sayuri in ihrer Geschichte vehement dagegen verwehrt, Geishatum und Prostitution miteinander in Verbindung zu bringen, ist es offensichtlich, dass sie zu keinem Zeitpunkt selbst über ihr Liebesleben entschieden kann. 

"He was looking at me as a musician might look at his instrument just before he begins to play, with understanding and mastery. I felt that he could see into me as though I were a part of him. How I would have loved to be the instrument he played! (...) I watched him walk away with sickness in my heart."

Als Frau, die daran gewöhnt ist, frei zu entscheiden und zu sagen, was ich denke, ist mir eine Umgebung wie die der Geisha erst einmal fremd. Da ich nie in Japan war, kann ich nicht einschätzen wie authentisch die Kultur hier beschrieben wird, noch dazu spielt das Buch ja in den 30er Jahren, bevor die Geisha Traditionen auch in Japan zusehends in Vergessenheit gerieten. Ich hatte deshalb Schwierigkeiten, mich mit Sayuri zu identifizieren. Evtl. auch, weil das Buch von einem Mann geschrieben wurde, was meiner Meinung nach bei einem weiblichen Hauptcharakter fast immer auffällt, besonders wenn die Erzählung, wie hier, aus der Ich-Perspektive geschieht. Wie bei vielen männlichen Autoren fand ich außerdem die Erzählweise emotionsloser als ich sie bevorzuge. Ein zweiter „Störfaktor“ des Buches ist, dass die Geschichte gegen Ende fatal an Tempo zunimmt, jedoch nicht an Spannung.  Golden fliegt durch die Jahre des zweiten Weltkrieges, als hätten sie auf Japan kaum Wirkung gezeigt, nur um zu einem etwas konstruiert wirkenden Ende zu kommen. Hätte er das Buch nach drei Vierteln beendet, täte dass der Wirkung keinen Abbruch, eher im Gegenteil. 

Andererseits wird auf den letzten Seiten deutlich, wie sehr der Verlust des Geishatums die japanische Kultur beeinflusst hat. Das Buch hat mich trotz einiger Kritikpunkte fest in seinen Bann gezogen; Arthur Golden schafft eine faszinierende Gegensätzlichkeit zwischen dem schillernden, mysteriösen Schein der Geishas in der Außenwelt und der Gnadenlosigkeit, mit der diese sich im Geheimen untereinander ausstechen und um die reichsten Männer und die besten Positionen wetteifern. Tatsächlich müssen wohl einige der Geschichten auf realen Geschehnissen beruhen, denn Goldens Quelle Mineko Iwasaki, eine frühere Geisha die er im Anhang namentlich nennt, verklagte ihn im Nachhinein, da er ihr Anonymität versprochen hatte. Als herauskam, dass sie die traditionelle Schweigepflicht der Geishas gebrochen hatte, bekam sie sogar Morddrohungen, denn Geishas sind verpflichtet, Stillschweigen über ihre Kunden zu wahren. 

Fazit: 


Eine bildgewaltige Erzählung über Schönheit und Grausamkeit, die Abhängigkeit von gesellschaftlichen Normen und eine Welt, die fremden Augen normalerweise vollständig verschlossen bleibt. Eine Welt von der ich froh bin, dass sie nicht meine ist, die mir aber noch lange Zeit nach der letzten Seite nicht aus dem Kopf ging.


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