Sonntag, 18. Dezember 2011

Full Dark, No Stars von Stephen King (2010)

"Take my hand, Constant reader, and I´ll be happy to lead you back into the sunshine. I´m happy to go there, because I believe most people are essentially good. I know that I am. It´s you I´m not entirely sure of." 
Aus Stephen Kings Nachwort zu "Full Dark, No Stars"

Dieses Buch steht nicht auf der Liste. Ich weiß. Aber ich war am Bahnhof, Zug kam nicht, ich hatte kein Buch mit. (Also hatte ich schon, aber sein Titel war "The essence of research methodology" - ihr versteht?) Und dann hatte meine kleine Nijmegen-Bahnhofs-Buchhandlung doch tatsächlich eine englische Ecke. Hach, man verzeihe es mir. Die nächste Rezension kommt dann wieder aus The Big Read!

So. Nachdem ich mich ja 23 Jahre lang erfolgreich geweigert hatte, Stephen King zu lesen, aus Angst dann nachts nicht mehr schlafen zu können, hat mich "The Stand" - das kam aber von der Liste! - dann angefixt. Mit Full Dark, No Stars (auf deutsch wurde der Titel mal wieder total beknackt mit "Zwischen Nacht und Dunkel" übersetzt), wollte ich nun doch mal den hochgelobten King´schen Gruselfaktor ausprobieren, allerdings für den Anfang mit Kurzgeschichten. Plan ging auf. Grusel hat bei mir nämlich nicht so viel mit "hinter der Tür steht einer mit ner Kettensäge und der sägt dir jetzt die Nase ab" zu tun, sondern mit den menschlichen Abgründen, den Furchtbarkeiten zu denen ein Mensch fähig ist, den schwarzen Löchern in die eine menschliche Psyche abrutschen kann. Jede einzelne der Kurzgeschichten hat es in sich. Die Geschichten lesen sich von selbst und zwar so fix, dass schwupsdiwupps 3 Stunden vergangen sind und man - schon selbst leicht psycho geworden - das Buch zur Seite legt und die Geschichte zu Ende ist. Zu Ende, aber nicht aus den Gedanken, denn die Figuren, die der Meister der Literatur hier auf gerade einmal 150 Seiten pro Geschichte zeichnet, sind so eindrucksvoll, die Charakterstudien so beißend, dass sich die Hintergründigkeit der Geschichten in die Erinnerung frisst.

Und während sich die Schicksale der Figuren mit trister Unausweichlichkeit ins Dunkle kehren, kommt der Leser über sich selbst ins Grübeln. Kings Charakterstudien sind bösartig, aber auch gnadenlos so gezeichnet, dass sie dem Leser ein - manchmal großes, manchmal kleines - Fünkchen Verständnis entlocken. Und sobald das passiert, fängt der Leser an, sich selbst in Frage zu stellen. 
Darf ich vorstellen? Die Hauptprotagonisten: 
  • Der ewig zweite Loser, dessen bester Freund sich mit seiner Hilfe zum Millionär hochgearbeitet hat, während er selbst nicht befördert wird. Der die schönste Frau hat, die mal seine eigene Freundin war. Der strotzgesund und gutaussehend ist, während er selbst von Krebs zerfressen wird. Auftritt: Der Teufel. Einfacher Deal: "Ich heil dich vom Krebs, aber du musst dein Schicksal dafür auf deinen besten Freund übertragen..."
  • Die Schriftstellerin, die auf einer einsamen Straße vergewaltigt wird und dann zum Sterben in einen Bach geschmissen wird. Aber sie überlebt. Und sie hat eine Waffe. Sie weiß wo ihr Vergewaltiger lebt - er und alle seine Familienmitglieder...
  • Die glückliche Ehefrau, die nach 27 Jahren Ehe eine grausame Entdeckung in der Garage macht. Ihr Geliebter Mann ist ein kranker Psychopath. Soll sie ihn an die Polizei übergeben und damit ihr Leben und das ihrer Kinder zerstören?
  • Der Farmer, der das Landleben und seinen Sohn abgöttisch liebt. Leider gehört das Land auf dem seine Familie lebt seiner Frau und die hat es sich in den Kopf gesetzt, sich scheiden zu lassen, das Land zu verkaufen und in die Stadt zu ziehen und zwar mit dem gemeinsamen Sohn. Dem geschiedenen Farmer würde nichts mehr bleiben und er müsste allein in die Stadt ziehen. Kein Sohn, keine Farm. Doch die Entscheidung die er trifft - Kein Spoiler, das steht gleich am Anfang - hat es in sich, denn mit Hilfe seines 14jährigen Sohns ermordet er seine Frau. Die ihn von da an auf ewig verfolgen wird...
Mit Ausnahme der letzten, kommen die Geschichten alle ohne traditionelle Gruselelemente aus, trotzdem sind sie gut geeignet, den Puls ganz ordentlich hochzutreiben. Sie sind einfach fies spannend. Beweis? Während ich nägelkauend die letzte Geschichte verschlang, musste mein Schnucki heute zum allerersten Mal GANZ ALLEINE einen Auflauf machen! 
"Mila komm doch kurz mit hoch, guck doch wenigstens ob das alles so da rein muss!". 
"Mhmm?!" 
"Der Auflauf!" 
"Mhm- kriegst du schon hin." 
"Aber soll ich denn den Fisch da roh rein machen?"
"bwww.. google doch mal"
"MILA!"
"Ja?" 
"Hörst du mir überhaupt zu? Ich kenn doch das Rezept gar nicht!"
"Mensch, jetzt sei doch mal still, die bringt den bestimmt gleich um!"
"Boah. Ich schmeiß das jetzt da einfach alles rein! Wenn er nicht schmeckt, biste selber schuld!"
"Ach du scheiße, jetzt hat er rausgefunden, dass sie es weiß! Oh Gott, jetzt passiert bestimmt gleich was ganz... Süßer?!"

Das Ergebnis war übrigens ein genial leckerer Auflauf! Wenn ihr das Rezept wollt, müsstet ihr allerdings meinen Freund fragen. Ich weiß das Fisch drin war.


Kommentare:

  1. Ich halte mich ja auch immer von King fern aus Angst, dann nicht mehr schlafen zu können. Ich grusel mich nämlich sehr leicht und bin ein fürchterlicher Angsthase.
    Tatsächlich hab ich schon auch Romane von King gelesen, aber damals hab ich noch nicht alleine in einer Wohnung gewohnt. *g*
    Die Situationen, in denen die Protagonisten stecken, klingen allerdings so spannend, dass ich fast überlege, dieses Buch auch mal zu lesen ...

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  2. Ich habe mir letztens auch mal 2 Bücher mit Kurzgeschichten von Stephen King gekauft. Manche sind echt gruselig, andere wiederum verblüffen mich nur ein wenig.

    Bin jetzt Leser geworden :-) Schau doch auch mal bei mir vorbei, wenn du magst.

    Liebe Grüße
    Sandra :-)

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  3. Ich habe als Teenie die Bücher von Stephen King verschlugen. "The Stand" war auch dabei. Muss ich das für die Liste nochmal lesen? Wahrscheinlich schon, denn es ist wirklich schon sehr, sehr lange her...
    Dann habe ich mich lange von Stephen King fern gehalten, da ich die Bücher irgendwann ziemlich flach fand. Im letzten Jahr habe ich dann "The girl who loved Tom Gorden" gelesen. Das stand sowieso schon lange ungelesen im Regal und ich wollte ja bei der "I'm in... English"-Challenge glänzen (habe ich aber nicht geschafft).
    Jedenfalls fand ich das Buch auch nicht so prall. Aber wenn die Kurzgeschichten ganz nett sind, vielleicht sollte ich damit mal wieder einsteigen? Also sobald ich das "kleine Büchlein" "The Stand" nochmal durchgeackert habe :)

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